THEODOR HAECKER (1889 – 1945)

EIN PROMINENTER KONVERTIT IM BANNKREIS JOHN HENRY NEWMANS

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0. ANNÄHERUNG AN HAECKER

I. THEODOR HAECKERS FRÜHE ENTWICKLUNG

II. DIE BEGEGNUNG MIT NEWMAN: HAECKERS WEG ZUR GEWISSHEIT IN GLAUBENSFRAGEN

1. Haeckers Korrespondenz mit den Oratorianern in Birmingham zwischen November 1920 und November 1924

2. Die philosophischen und theologischen Gründe für T. Haeckers Schritt von Kierkegaard zu Newman

3. Haeckers Aufnahme in die Römisch-katholische Kirche.

4. Folgen

5. Haeckers Liebe zu Kierkegaards Leidenschaft für die Wahrheit im Lichte von Newmans Heiligkeit

III. NEWMAN "WIE EIN KIRCHENVATER": WEITERE ÜBERSETZUNGEN

IV. DIE HEILSGESCHICHTE UND DIE MÄCHTE DER FINSTERNIS: NEWMAN IN HAECKERS "TAG- UND NACHTBÜCHERN"

V. THEMENVORSCHLÄGE ZUR KÜNFTIGEN HAECKER-FORSCHUNG


 

0. ANÄHERUNG AN HAECKER

Es besteht ein fast widersprüchlicher Eindruck zwischen dem intensiven Einfluß, den Haecker durch seine Schriften ausübte, und der Atmosphäre, die er als Person schuf. Selbst nach einem halben Jahrhundert ist es nicht leicht, sich ihm als einer historischen Persönlichkeit zu nähern. Er hat über sein persönliches Leben im Sinne autobio-graphischer Notizen wenig hinterlassen. Richard Seewald, ein Maler und über Jahrzehnte sein Freund, hat zwei Porträts von Haecker geschaffen und schreibt über ihn in einer Würdigung nach seinem Tode: "Er war einer der schweigsamsten und verschlossensten Menschen, die ich kannte..." Die meisten Menschen, die ihm begegneten, mögen große "Hochachtung vor der mutigen Geradheit" gehabt haben, aber auch "Angst, durchschaut zu sein von diesen klaren blauen Augen, die eine ungewöhnliche Kraft ausstrahlten... Sie fühlten sich unter diesen Augen nicht wohl, die ständig zu fragen schienen: Ist es dir eigentlich ganz ernst, mit dem, was zu sagst; entspricht dein Leben deinen Worten?"[1] Andererseits berichtet Sophie Scholl, eine der Märtyrer der "Weißen Rose", einem Freund über die "eindrucksvollen Stunden", die sie am Nachmittag des 4. Februar 1943 mit Haecker verbracht habe, als er im Freundeskreis aus seiner Theodizee "Schöpfer und Schöpfung"[2] vorlas: "Seine Worte fallen langsam wie Tropfen, die man schon vorher sich ansammeln sieht, und die in diese Erwartung hinein mit ganz besonderem Gewicht fallen. Er hat ein sehr stilles Gesicht, einen Blick, als sähe er nach innen. Es hat mich noch niemand so mit seinem Antlitz überzeugt wie er."[3] - Vierzehn Tage später, am 18. Februar 1943, wurden Hans und Sophie Scholl verhaftet. Haeckers Wohnung wurde von der Gestapo durchsucht und nur durch die geistesgegenwärtige Initiative seiner Tochter Irene wurde das Manuskript von Haeckers "Tag- und Nachtbüchern" aus dem Haus geschmuggelt und zum Pfarrer, einem Freund der Familie, gebracht.

Wer war Theodor Haecker?

Auch die Urteile über seine Bedeutsamkeit als philosophischer Denker sind widersprüchlich. Als Walter Benjamin Haeckers "Vergil, Vater des Abendlandes"[4] rezensierte, bescheinigte er ihm "glänzende schriftstellerische" Fähigkeiten, aber "sehr bescheidene denkerische" Gaben, und er bedauerte, daß Haecker "die dilettantische Fragestellung, wer uns Vergil sei, behandelt habe, statt zu fragen "was die Geschichte der Vergilschen Dichtung... uns lehrt".[5] - Im Gegensatz dazu war Matthias Laros von Haeckers "Satire und Polemik" (1922) und "Christentum und Kultur" (1927) beeindruckt und stellte fest: "Seit Nietzsche ist kein leidenschaftlicherer Denker aufgestanden... (seine) leidenschaftliche Liebe gilt der Echtheit und existenziellen Wahrhaftigkeit ... (deshalb) ist auch sein Zorn gegen alles, was ihm jene Echtheit und Wahrhaftigkeit zu bedrohen scheint. unbändig. ... Haecker ist, wie er selber sagt, nicht so sehr ein zoon politikon als ein zoon polemikon."[6] - In der Tat hatten nicht alle, die er als zweideutig oder unecht kritisierte, die souveräne Toleranz des Hanseaten Thomas Mann, der am 23. August 1934 in seinem Tagebuch schreibt: "Haecker ist ein katholischer Denker von etwas zelotischen Manieren. Oblgeich er mich mehrmals hart (und unmißverständlich) angreift, empfinde ich für seine christliche Humanität tiefe Sympathie ("Was ist der Mensch?") und war bewegt von seiner mutigen Apologie des Geistes".[7]

Welche Rolle spielt John Henry Newmans Gedankenwelt in Haeckers Leben?

I. THEODOR HAECKERS FRÜHE ENTWICKLUNG

Theodor Haecker wurde am 4. Juni 1879 in Ebersbach bei Künzelsau in Schwaben geboren; seine Eltern heirateten 4 Jahre später und die Familie lebte in Esslingen am Neckar. Von Hause aus war er Protestant. Mit 12 Jahren verlor er seine Mutter. Auf Wunsch seines Vaters verließ er mit 16 das Gymnasium und machte eine kaufmännische Lehre. Nachdem er anschließend drei Jahre in Antwerpen tätig war, versuchte er sich 1903 als Student in Berlin, wo er Vorlesungen verschiedener Fakultäten hörte und "in Melancholie und Einsamkeit" lebte. 1905 folgte er der Einladung seines Freundes Ferdinand Schreiber, um im Verlag Schreiber in München Herausgeber eines illustrierten Familienmagazins zu werden. Gleichzeitig setzte er seine  Studien in Philosophie an der Universität München, besonders bei Max Scheler und in der Literatur der Klassik, bis 1910 fort. Haecker war Autodidakt.

1913 veröffentlichte er sein erstes Buch "Sören Kierkegaard und die Philosophie der Innerlichkeit". Haecker führte den dänischen Theologen bei seinen Zeitgenossen als einen Mann von leidenschaftlicher Hingabe an Gott ein, dessen persönliche Glaubwürdigkeit in seiner ethischen Lauterkeit gründete. Als Konsequenz von Kierkegaards philosophischem Ansatz wird Haecker 20 Jahre später, 1935, schreiben: "Diese Geschichte der Person ... ist der eigentliche Kern der Geschichte" der Menschheit[8] und die Freiheit des persönlichen Willens schließt die Pflicht mit ein, "den Menschen zum moralischen Schöpfer seines ethischen Selbst zu machen".[9] Obgleich die Wurzeln seiner Einsichten in den Zusammenhang zwischen individueller Verantwortung und der allgemeinen Geschichte in seiner Begegnung mit Kierkegaard zu suchen sind, ist der Ursprung seines Strebens nach Lauterkeit sein ganz persönliches Anliegen. Deshalb fühlte sich der frühe Haecker auch zu dem Schweizer protestantischen Rechtsgelehrten Carl Hilty hingezogen, dessen mehrbändiges Werk über das "Glück"[10] den Aufweis enthielt, daß die Glückseligkeit des Menschen auf christlichem Glauben und auf der Realisierung der ethischen Postulate des alltäglichen Lebens aufgebaut war. Aus diesem Grunde hatte Haecker auch eine hohe Achtung vor Karl Kraus, der für ihn "der einzige große, durch die Ethik gedeckte Polemiker und Satiriker der Zeit" war[11]; und aus diesem Grund hatte Haecker eine lebenslange Bewunderung und persönliche Sympathie zu Kierkegaards Leidenschaft für die Wahrheit.

Im Rückblick auf die Jahre seiner frühen Publikationen zwischen 1913 und 1920 spricht Haecker von den "sieben Jahren der Dunkelheit"[12], eine Feststellung, die uns indirekt auf das Licht verweist, das er während der Übersetzung von John Henry Newmans Essay "In Aid of a Grammar of Assent" im Jahre 1920 entdeckte.

II. DIE BEGEGNUNG MIT NEWMAN: HAECKERS WEG ZUR GEWISSHEIT IN GLAUBENSFRAGEN

Um die Szene zu erweitern und Newmans Einfluß zu jener Zeit zu illustrieren, richten wir die Aufmerksamkeit für einen Moment auf Teilhard de Chardin (1881 - 1955), der als Soldat am 9. Mai 1916 in sein Tagebuch schrieb: "Ablauf der Ideen bei Newman: 1. Er erkennt die Evolution des Dogmas. 2. Dann die des ganzen Christentums... Die Entwicklung ist 'in itself a remarkable philosophical phenomenon' (= die Evolution). 3. Er bemerkt, daß die Gesetzmäßigkeit für die Geschichte des Ganzen, die der Individuen im Erwerb des Glaubens ist... 4. Für sich insbesondere sieht er die Gewißheit des Glaubens am Zielpunkt der 'konvergierenden Wahrscheinlichkeiten' entstehen, und dieses Gesetz... erscheint ihm als ein zweites und neues großes Prinzip jeglicher Evolution der Überzeugungen. - Newman sieht sich bestätigt, weil seine Bekehrung sich in Übereinstimmung mit dem Ablauf jeder Entstehung und Verwandlung vollzieht. Denn wir glauben, daß die Natur, die Welt, sich in ihren Wegen nicht irrt und auf etwas zugeht."[13] Zwei Monate später schreibt Teilhard zusammenfassend: "Je mehr ich Newman lese, umso mehr spüre ich eine Verwandtschaft (eine sehr bescheidene, ganz gewiß!) zwischen seinem Geist und dem meinen. Und eine Folge dieser Harmonie ist der Anreiz, den mir sein Beispiel gibt, 'mein' Werk zu verwirklichen."[14].

Wie Teilhard das fehlende Verbindungsglied für seinen Schlüsselbegriff der Evolution bei Newman fand, so entdeckt Haecker bei Newman, wie die legitime Rolle des Verstandes beim Glaubensakt zu verstehen sei. Und als Haecker dieses Gewebe von Vernunft und Glaube als die erkenntnistheoretische Grundlage der katholischen Tradition erkannt hat, läßt er sich in die Römisch-katholische Kirche aufnehmen.  Diese Aussage ist jedoch nur eine Folgerung aus den historischen Fakten. Es gibt keine persönliche Beschreibung seiner Glaubensreise von Haecker selbst. Vielleicht hat er in seiner Scheu vor subjektiver Selbstdarstellung bereits 1920/21 gedacht, was er 1940 in seinen "Tag- und Nachtbüchern" schreibt: "Zum Verlogensten gehören Selbstbiographien."[15] Konsequenterweise wollen wir für unsere Analyse die Gründe aus seinen Schriften und bekannten Fakten seines Lebens sammeln, um die Details seines Weges zur Katholischen Kirche zu rekonstruieren. indem wir (1.) seine Korrespondenz mit den Oratorianern in Birmingham aus der Zeit seiner Übersetzung der Grammar of Assent auswerten; (2.) die Gründe, die er selbst für seinen Schritt indirekt angibt, zusammenstellen; (3.) auf die Folgerungen achten, die er selber zieht.

1. Haeckers Korrespondenz mit den Oratorianern in Birmingham zwischen November 1920 und November 1924

Am 18. November 1920 schrieb Haecker an Fr. Francis Joseph Bacchus (1860 - 1937): "Aus Liebe zu Kardinal Newmans Geist und Werk habe ich die Absicht, die Grammar of Assent ins Deutsche zu übersetzen. Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mich darüber informieren würden, ob dies ohne Beschädigung des Copyright-Gesetzes oder der Privilegien des Oratoriums geschehen kann."[16] Noch 20 Jahre danach war sich Henry Tristram der Situation bewußt, als der Brief ankam: "Selbst jetzt erinnere ich mich noch lebhaft an den Augenblick, als Fr. Joseph Bacchus ... zu mir hereinstürmte und mit einer gewissen Erregtheit ausrief, daß eine deutsche Übersetzung der Grammar of Assent in Vorbereitung war und daß Sie der Übersetzer seien."[17]

In einem zweiten Brief vom 30. November bat Haecker um eine neuere Ausgabe der Grammar of Assent, da das Exemplar, das er zu seiner Übersetzung benützte, eine Erstausgabe war, "die ein Autograph vom Kardinal selbst hat", ein Geschenk aus der "Bibliothek von Döllinger, das jetzt der Universität zur Verfügung steht". Ein erstes Exemplar der neuesten Ausgabe, das Fr. Bacchus schickte, ging verloren; Haecker bestätigte den Empfang eines zweiten Exemplares am 19. Januar 1921.[18]

Welches waren Haeckers Motive, die Grammar zu übersetzen, außer seiner "Liebe zu Kardinal Newmans Geist und Werk?" Es war die philosophische Bedeutsamkeit des Werkes für die Erklärung des Glaubensaktes und die öffentliche wie persönliche Bedeutung für das religiöse Leben überhaupt. Nach Haeckers Auffassung gab es in der philosophischen Szene Deutschlands einen Kairos dafür, seitdem Edmund Husserls Schule der Phänomenologie eine Alternative sowohl zu Hegels Deutschem Idealismus wie auch zum philosophischen Psychologismus jener Zeit geschaffen hatte. "Vor etlichen zehn oder zwanzig Jahren, so schrieb er an Fr. Bacchus, wäre die tiefe Originalität von Kardinal Newmans Denkweise selbst von unseren Philosophen kaum erkannt worden, aber jetzt, seit der neuesten Entwicklung der Philosophie in Deutschland, hauptsächlich infolge von Edmund Husserls "Logischen Untersuchungen", hat man weithin das Vorurteil und die willkürlichen abstrakten Konstruktionen eines skeptischen Psychologismus zugunsten einer ehrlichen Prüfung der wirklichen Struktur des Geistes aufgegeben".[19] - In diesem Zusammenhang fügt Haecker seine eigene Einschätzung von Newmans Grammar ein: "Die einfachhin klassische Erklärung des Wesens (substantiveness) von Zustimmung und Gewißheit wird von der gebildeten Klasse meines Landes voll verstanden und verdientermaßen geschätzt werden, dabei spreche ich noch nicht von der großen religiösen Wohltat, die das Werk möglicherweise bewirken kann."[20] Im Rückblick von 2 Jahren bestätigt Haecker noch einmal: "Gewisse Partien der Grammar of Assent sind für mich einfach klassisch und von mehr als nur vorübergehender oder vorbereitender Bedeutung."[21]

Der religiöse Gewinn von Haeckers Beschäftigung mit Newmans Gedanken bei der Übersetzung der "Grammar" ist sicher seine Aufnahme in die Katholische Kirche. Aber Haecker hat dieses markante Ereignis vom 5. April 1921 in seinen Briefen nach Birmingham offenbar nicht erwähnt. Erst zwei Jahre später erfuhren die Oratorianer von seiner Bekehrung im Schreiben vom 13. Januar 1923: Darin bedankt sich Haecker, der zwischenzeitlich zehn wichtige Werke Newmans aus dem Oratorium erhalten hatte, für "das schöne Exemplar der Apologia" und fügt hinzu: "Ich sende Ihnen mein Buch 'Satire und Polemik'. Die Artikel, die es enthält, wurden geschrieben und publiziert, bevor ich katholisch geworden war."[22]

Jahre später verwies Henry Tristram auf Haeckers Konversion, als er im Glückwunschbrief vom Sommer 1939 schrieb: "Hat Newman etwas für Sie getan als Gegenleistung für das, was Sie zu seinem Gedächtnis getan haben? Ich kann nicht mit der Gewißheit des Wissenden sprechen, vielleicht erlauben Sie mir eine Vermutung anzustellen. Während der Zeit, da Sie mit der Übersetzung seiner Werke engagiert waren,[23] haben Sie die Gnade der Konversion erhalten. Es ist nicht müßig anzunehmen, daß Sie ihm das Licht des Glaubens verdanken. Wenn es so ist, dann sind Sie in Ihrer eigenen Person ein lebendes Beispiel für die allgemeine Rede, daß niemand von intellektuellem Zuschnitt in jüngerer Zeit je katholisch geworden ist, ohne direkt oder indirekt unter seinem Einfluß gewesen zu sein. Wir vertrauen darauf, daß dies in Ihrem Fall so war."[24]

2. Die philosophischen und theologischen Gründe für T. Haeckers Schritt von Kierkegaard zu Newman

Haecker hat keinen Bericht über seine geistliche Reise zwischen dem Jahr 1917, als er Newmans Name zum ersten Mal erwähnt,[25] und 1921, als er sich nach der Übersetzung der Grammar in die Römisch-katholische Kirche aufnehmen ließ, hinterlassen. Es gibt jedoch Beschreibungen der Differenz der theologischen und philosophischen Position zwischen Kierkegaard und Newman, die seine Konversion mittelbar erklären. Die erste Quelle ist das Nachwort zur "Philosophie des Glaubens" im Jahre 1921.[26] Haecker beschreibt darin die einzigartige Bedeutsamkeit, die die "Grammar" für Philosophie, Theologie und den christlichen Glauben, einschließlich seiner eigenen Glaubensgeschichte, hatte.

 (a) Die Subtilität, Differenziertheit und Originalität der Newmanschen Darstellung des (religiösen) Erkenntnisprozesses faszinierte Haecker und überzeugte ihn; allem voran die Unterscheidung von notional (begrifflich) und real (wirklich). Während ihm die deutsche Philosophie eher intellektualistisch erschien, als ein Produkt von Abstraktion und Systematisierung, garantierte Newmans Ansatz die Nähe zur Wirklichkeit, zum Konkreten. Wenn Bild für wirklich steht, so wie Begriff für begrifflich, dann vermittelt das Bild, selbst, wenn es verzerrt oder mangelhaft wiedergegeben wird, noch immer die Spur von Wirklichkeit, während der Begriff nur im Verstand des denkenden Individuums existiert. Es gibt in diesem erkenntnistheoretischen Ansatz Newmans somit einen besonderen Zugang zur inkarnatorischen und sakramentalen Wahrheit.

 (b) Ein zweites grundlegendes Element der religiösen Zustimmung nach Newman ist das Gewissen, wichtig für Haecker bereits auf Grund seiner kierkegaardschen Herkunft. Newman jedoch führt das Gewissen "in Bezügen und Parallelen zu anderen Akten des Geistes" ein, so daß das Gewissen ein "Organ und Vermittler von Wissen" wird, dessen Gegenstand zwar schwierig zu fassen ist, aber nur deshalb, weil er "der transzendente verborgene Gott" selbst ist.[27]

 (c) "Vollkommen neu" im Vergleich zu J. Lockes "Essay Concerning Human Understanding" ist nach Haecker Newmans "Lehre von der Zustimmung und der Gewißheit als eigenen von der Folgerung sich unterscheidenden Bestandstücken des menschlichen Geistes". Haecker ist begeistert über die "meisterhaft klare Diskretion des Wesens (.) dieser Akte" und nennt sie einen "philosophischen Fund von großer Wichtigkeit".[28]

 (d) Newmans Anliegen, so Haecker, ist die Unterscheidung zwischen Person und System, zwischen lebendigem Geist und abstrakten Gesetzen, kreativem Wollen und unfruchtbarer Ordnung. Seine Philosophie ist personalistisch auf Grund des "machtvollen überwältigenden Eindrucks, den das Geheimnis des Wesens der einzelnen Seele auf Newman gemacht hat: das individuum ineffabile, die schließliche Unsagbarkeit und Unverstehbarkeit alles Persönlichen, außer für Gott ...".[29] Haecker verweist an dieser Stelle auf Newmans Predigt über die "Individualität der Seele" von 1836: "Jeder Mensch muß ewig für sich leben; niemand außer ihm kann ihn eigentlich berühren, kann seine Seele berühren, seine Unsterblichkeit. Er hat eine unergründliche Tiefe in sich, einen unendlichen Abgrund des Seins."[30] Newman machte auf zwei grundlegende Elemente dieser personalistischen Erkenntnistheorie aufmerksam: die Lehre von den Ersten Prinzipien, die er in seinen "Vorlesungen über die gegenwärtige Lage der Katholiken in England" (1851) praktisch angewandt hatte und den Folgerungssinn (Illative Sense), von dem er schreibt: "Er bestimmt, was die Wissenschaft nicht bestimmen kann, die Grenze konvergierender Wahrscheinlichkeiten und die Gründe, die für einen Beweis zureichen. Es ist der schlußfolgernde Geist selber, ... durch den wir imstande sind zu entscheiden und auf den gewiß zu sein..."[31].

 (e) Bei der Zusammenfassung, die besagt, daß der Hauptzweck der "Grammar" darin bestand, die Vernunftgemäßheit des Christentums zu beweisen, macht Haecker die für uns bedeutsame Aussage: "Hier befinden sich nun zwei große Denker des 19. Jahrhunderts, Newman und Kierkegaard, in einer Hinsicht in schroffstem Antagonismus zueinander" über das Paradox, "das, was logisch nur wahrscheinlich ist, zu unbedingter Gewißheit führen soll ... Während der eine, Kierkegaard, den Weg des feurigen Jünglings und absoluter Leidenschaft geht und sozusagen alle menschlichen Wahrscheinlichkeiten wegschafft und wenn möglich, den Raum noch luftleer macht, um den 'Sprung' zum äußersten Glaubenswagnis zu machen (...), geht Newman den Weg des reifen Mannes und der Besonnenheit und füllt, wo immer und wie immer er kann, die Lücken und häuft die Wahrscheinlichkeiten immer mehr bis zu dem Punkt, wo der Qualitätsübergang zur Gewißheit stattfindet."[32] - Hier folgt m.E. Theodor Haeckers entscheidendes Bekenntnis; denn er ist von Newmans Glaubensbegründung überzeugt worden, wenn er sagt: "Ich gestehe für meinen Teil, daß ich den letzten Weg für den menschlich und göttlich natürlichen, gewollten und normalen halte, während der erste nur ausnahmsweise von Gott nur einzelnen Seelen und zu bestimmten Zwecken gestattet wird, im übrigen aber von äußerster Gefahr ist."[33]

3. Haeckers Aufnahme in die Römisch-katholische Kirche.

Theodor Haecker war 38 Jahre alt, als er während des Krieges im Februar 1918 Christine Margarethe Braunsberg (1889 - 1935) heiratete. Sie lebten in München und bekamen 1919 einen Jungen, Johannes, und ein Mädchen, Irene, am 30. März 1921. Sechs Tage nach ihrer Geburt, am 5. April 1921, ließ sich Haecker in die Römisch-katholische Kirche aufnehmen.[34] Wenn man Haeckers indirekten und objektiven Stil in Betracht zieht, ist es möglich, aus der folgenden Äußerung zu schließen, daß jener Schritt unter Newmans Einfluß und Patronat geschah, da er schreibt: "Die Sache des Christentums wird in . höherem Grade durch die Personen entschieden als durch die Systeme. Die Katholische Kirche lehrt durch göttliche Gnade und Verheißung das wahre Glaubenssystem, das ist unerschütterlich wahr; aber das allein und ohne die Person wäre doch nur tönend Erz und eine klingende Schelle, hätte sie nicht so heilige Seelen wie Newman." Und noch einmal: "Das Geheimnis der Überzeugungskraft Newmans liegt darin, daß er einmal die für unsere Zeit bestehenden intellektuellen Schwierigkeiten des Glaubens klar erkannt und gewürdigt hat und ohne die strengste Verantwortung jedes einzelnen... auch nur einen Augenblick zu leugnen, nie der naiven ... Meinung war, daß ihnen mit einem nackten Syllogismus begegnet werden könne ... (vielmehr) in einer edlen Humanität und in seinen geheiligten Tugenden der Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit. So hat er, soweit das eben ein Mensch kann, dem Arme Gottes geholfen."[35]

4. Folgen

Als Haecker im Herbst 1921, dem Jahr seiner Konversion, auf sein Leben zurückblickte, kommentierte er seine bisherige Arbeit: "Ich habe nicht bloß gekämpft für einen Herrn oder ein Ideal und im Grimm, weil das Erbe der Väter vor Hunden und Schweinen ... lag; ich habe auch gekämpft um mich und gegen die eigene drohende Verzweiflung und um die eigene Erkenntnis ... - Es mag sein, daß es Menschen gibt, die sofort bei sich sind; ich gehöre nicht zu ihnen, ich mußte große Umwege machen, bis ich zu mir selber kam."[36] Aber bei der Beurteilung seines eigenen schriftstellerischen Werkes sagt er im selben Kontext: "Nicht sehr vieles hätte ich heute zu ändern. In ästethischen Dingen weniger als nichts, aber auch in ethischen nicht vieles ... Die einzige und wesentliche prinzipieller Wandlung - von Zweifel zu Gewißheit - habe ich in religiös-theologischen Fragen deutlich anzugeben." Und Haecker fügt sogleich seine Korrekturwilligkeit an: "Ist etwas in diesem Buch (das die wichtigsten Artikel der vergangenen Jahre enthält, G. B.), das Zweifel ausdrückt an der Autorität der Katholischen Kirche in allen Fragen der Lehre und Sitten ... , so ist es wie nicht geschrieben. ..."

5. Haeckers Liebe zu Kierkegaards Leidenschaft für die Wahrheit im Lichte von Newmans Heiligkeit

Obgleich Haecker Kierkegaards philosophische Mängel entdeckt hatte, gab er doch seine Sympathie für ihn nicht auf. Zwei bedeutende Essays zeigen seine bleibende Hochschätzung: "Der Begriff der Wahrheit" von 1929 und "Der Buckel Kierkegaards", eine posthum veröffentlichte Arbeit.

 a) Mit rührenden Worten beginnt Haecker seinen Artikel "Der Begriff der Wahrheit bei Sören Kierkegaard": "Zu stark noch immer unter dem Eindruck Kierkegaards auf meine Jugend, kann ich am Anfang nicht ohne Bewunderung und Dank von ihm reden."[37] Er nennt ihn einen festlichen Denker wie keinen anderen der neueren Zeit und in äußerstem Kontrast zu der "unfestlichen Schar jener privaten Systemmacher, wachsend mit jeder neu besetzten ordentlichen oder außerordentlichen Professur" der Philosophie an den Universitäten. Anderseits: "Vor Gott ist auch das Genie ein Nihil. Einer der Lieblingssätze Kierkegaards als Genie."[38] Im Verlauf dieses Artikels befaßt sich Haecker mit Kierkegaards Darstellung des Glaubensakts und differenziert: Es ist Wahres und Falsches in Kierkegaards Ansatz. Es ist wahr, daß der Mensch keine wissenschaftlichen, philosophischen, theologischen Beweise kennen muß, um Christ zu werden. Es gibt keinen Primat des Wissens über den Glauben, wie auch Newman in der Grammar erklärt; soweit ist Kierkegaard gegen Hegel im Recht.[39] Aber sein großer Irrtum war anzunehmen, daß es nur auf den Daß-Glauben ankommt und daß der Glaubensakt keine Gewißheit braucht, "ja, sogar paradox, absurd sein könne - dieser Satz ist sicherlich falsch und löst alles auf. Er leugnet den Verstand schlechtweg." "Es ist die verzweifelte Preisgabe des Verstandes selber", klagt Haecker: Das ist gegen die Regeln der Schöpfung und des Schöpfers, gegen die Würde des Menschen. - Andererseits gibt es aber auch eine offensichtliche Übereinstimmung zwischen Kierkegaard und Newman:  im Verständnis des individuellen Gewissens. Zum Beweis zitiert Haecker Kierkegaard: "Was du ganz im geheimen weißt, ... gerade noch in der allen anderen unzugänglichsten Ecke deines Geistes ...: die objektivste Wahrheit ... daß Gott ist, ist dir - dir im emphatischen Sinne - am sichersten gegeben und verbürgt durch die subjektivste (Wahrheit), die in der Unermeßlichkeit der Schöpfung nur für dich gilt ... in deinem Gewissen. In der Subjektivität liegt die Wahrheit."[40]

 b) Haecker veröffentlichte weiterhin bis 1938 Kierkegaards Tagebücher und Predigten und hinterließ ein Mansukript "Der Buckel Kierkegaards", das zwei Jahre nach seinem Tod, 1947, publiziert wurde. Haeckers Absicht war es, in dieser Analyse zu zeigen, daß nicht körperliche Mängel Kierkegaard davon abhielten zu heiraten, sondern daß seine unüberwindbare Schwermut über den sündhaften Zustand der menschlichen Natur der Grund für seine besondere Berufung zu einem zölibatären Leben war. - In diesem Artikel setzte Haecker zum letzten Mal Kierkegaard kritisch in Vergleich zu Newman. "In dem großen Werke des großen Mannes, der Kierkegaard ist, war gerade dieses immer meine größte Enttäuschung und mein Nichtverstehen, in ihm nicht den Eifer und die klar brennende Leidenschaft des Intellekts für die weise Unbeflecktheit und schneeige Reine der wahren Lehre zu finden, von der doch die Briefe der Apostel und Väter und die Geschichte der Kirche und der Heiligen so eindringlich zeugen, von der auch ungefähr zur selben Zeit Newman ruhelos umgetrieben wurde, bis er schließlich blutenden Herzens seine geliebte Stiefmutter, die Anglikanische Kirche, um der Wahrheit willen verließ, um in den Schoß der echten Mutter zurückzukehren."[41] Zu Kierkegaards Betonung, man solle nicht so sehr über die wahre Lehre reden als vielmehr das Rechte tun, antwortet Haecker: "Aber beides, beides, beides macht das Ganze, und wo Gott selber der Lehrer ist ..., geht die Lehre voraus! Newman war doch nicht minder auf das Tun, das 'Realisieren' ... des bloß Gelehrten und Gesagten und Gepredigten aus, er hatte das Licht des Intellekts - die Wahrheit und das Feuer des Herzens - die Liebe zu Gott - aber beide als Einheit."[42]

III. NEWMAN "WIE EIN KIRCHENVATER": WEITERE ÜBERSETZUNGEN

 Im Jahre 1921 übersetzte Haecker Newmans "Essay on the Development of Christian Doctrine", das er im folgenden Jahr veröffentlichte. In seinem "Nachwort" nennt er die Grammar of Assent die erkenntnistheoretische Einführung in das Essay on Development. Haecker betont, daß Newmans grundlegender Begriff der Entwicklung von analoger Natur war, weil er sowohl Merkmale des geistigen Lebens von Ideen enthielt als auch biologische aus der Welt des Wachstums; deshalb sei er auch für die Erklärung von Veränderungen in der christlichen Lehre ebenso gut geeignet wie für die in der Heilsgeschichte der Kirche. Haecker ist davon überzeugt, daß das Essay der Theologie eine bedeutsame Theorie beschert und hält es für charakteristisch für das Verständnis von Newmans Denkstil. Haeckers Absicht war es, mit seiner Übersetzung denen, die nach Gott suchen, einen Dienst zu erweisen, weil in seiner eigenen Erfahrung unter Umständen "auf dem Weg der Vorbereitung ... ein Buch von relativ großer Bedeutung ist und es ... in der Kette, die den religiösen Menschen ... zur Wahrheit führt, ein notwendiges Glied bildet".[43]

 Obgleich sechzehn Jahre vergehen sollten, bevor Haecker das dritte seiner sieben Newman-Bücher 1938 veröffentlichte, ist es sehr eindrucksvoll zu sehen, wie Newman gleichwohl in fast allen Jahren dazwischen sein ständiger Begleiter war:

 Im Jahre 1926 wandte sich Haecker gegen die künstliche Trennung von Verstand und Leben in der Philosophie und versicherte: "Wir erinnern uns, daß eines der Hauptworte ... im Werk Kardinal Newmans eben das Wort 'realisieren' ist, daß nämlich der Mensch immerzu sein ganzes Leben lang streben müsse, sowohl was ihm durch natürliches Wissen gegeben ist, wie auch, was ihm durch Gnade geschenkt wird, zu 'realisieren' -  das ist ja das Wort Schelers! - es nicht beim Wissen oder beim toten Glauben bewenden zu lassen". Verstand und Glaube sollten so vereint sein, wie  in Newman selbst, "dieser letzten Einheit von Genialität und Heiligkeit". Er sei, so Haecker, "einer der innerlichsten Christen (gewesen), die je gelebt haben".[44]

 Im Jahre 1927 schrieb Haecker "Christentum und Kultur" und bezog sich darin auf Newmans Illative Sense als Beispiel für dialektisches Denken im Prozess der Wirklichkeitserfassung. In Kunst, Mystik und Phänomenologie, sagt Haecker, "mag sich zeigen, daß des Kardinals Newman Theorie vom Illative Sense dem Folgerungssinn, der Wirklichkeit und Wahrheit gerechter wird und die Genese mancher Erkenntnisse ... durch die individuell verschiedene Tätigkeit eben dieses in sich dialektischen Folgerungssinnes leichter und besser erklärt ... als die ... Berufung auf die undialektische ... Anschauung".[45]

Ebenfalls im Jahre 1927 erschien Haeckers Übersetzung von Hilaire Bellocs Buch "Die Juden". Haecker kommentiert Bellocs Ansicht, daß die Juden nach einer einzigartigen Heilsgeschichte und nach ihrer unglücklichen Beziehungsgeschichte zu Messias Jesus jetzt ein politisches Schicksal erleben, das ohne religiösen Hintergrund nicht verstanden werden kann. In diesem Zusammenhang bezieht sich Haecker auf Newman: "Am klarsten und schönsten ist in neuerer Zeit dieses Glaubensfaktum von Newman dargelegt worden in seiner Grammar of Assent."[46] Unter verschiedenen bemerkenswerten Beobachtungen zitiert Haecker Bellocs Aussagen: "Es ist eine wichtige Bemerkung dieses Buches, daß es auf  Gesinnung und Verhalten des durchschnittlichen Bürgers ankommt." Und Haecker fügt hinzu: "Der durchschnittliche Bürger in Deutschland aber ist ein latenter Antisemit."[47]

 Im Jahre 1930 - ein Jahr, nachdem er Newman in dem bereits erwähnten Kierkegaard-Artikel "Der Begriff der Wahrheit" erwähnt hatte,[48] - schrieb Haecker einen "Dialog über Christentum und Kultur". Dabei taucht die Vision eines neuen Europa auf der Basis des gemeinsamen christlichen Erbes auf; und eine repräsentative Gestalt ist für Haecker Newman, der "große Kardinal, gefeiert als die letzte Einheit unserer Zeit von natürlicher Genialität und Heiligkeit".[49] Und in einem Kapitel dieses Buches, in dem er sich mit dem literarischen Stilelement der Satire beschäftigt, fragt Haecker, ob ein christlicher Schriftsteller sich dessen nicht ganz und gar enthalten sollte, weil auch Newman seine Satire über Charles Kingsley - eine der vernichtendsten, die die europäische Literaturgeschichte kennt - nicht in die endgültige Fassung der Apologia aufgenommen habe.[50]

In der ersten Hälfte der 30er Jahre hatte Haecker die fruchtbarste Periode als Schriftsteller; er veröffentlichte jedes Jahr einen neuen Band. "Vergil, Vater des Abendlandes" erschien 1931 und erwies sich in zahlreichen Auflagen als eine der erfolgreichsten Publikationen Haeckers. Zusammen mit den Übersetzungen von Bucolica u.a. wurde damit auch der weite Horizont von Haeckers Vision eines neuen christlichen Europa deutlich. Um den Einfluß Vergils auf die Geschichte des Christentums zu charakterisieren, nennt Haecker nicht nur Augustinus, von dem er sagt, er habe täglich ein halbes Buch der Aeneis gelesen, bevor er Christ wurde, sondern auch Newman, "die letzte edle Anima Vergiliana", den englischen Kardinal, der ... die Apotheose von Vergils Bedeutung geschrieben hat". Haecker zitiert die Stelle aus der Grammar über die reale Zustimmung, die ein Mensch zu Versen Vergils, die er schon in seiner Kindheit gelernt hat, erst nach Jahren der Lebenserfahrung geben kann. Erst jetzt "gelangt er zum Verständnis, wie es kommt, daß diese Verse, das Erzeugnis eines zufälligen Morgens oder Abends bei einem jonischen Fest oder zwischen den sardinischen Hügeln, Geschlecht für Geschlecht überdauert haben, tausende von Jahren, mit einer Macht über den Geist, mit dem die laufende Literatur seiner Tage ... sich zu messen ganz und gar unfähig ist. Vielleicht ist dies der Grund der mittelalterlichen Meinung über Vergil als einen Propheten oder Magier; seine einzelnen Worte und Sätze, seine pathetischen halben Verse geben, wie die Stimme der Natur selber, Ausdruck dem Leid und der Müdigkeit, doch auch der Hoffnung auf bessere Dinge, welche zu jeder Zeit die Erfahrung ihrer Kinder sind."[51]

 Im Jahre 1934 publizierte Haecker eine Theodizee "Schöpfer und Schöpfung", in der er die Möglichkeit der tragischen Existenz im Zusammenspiel von Gott, Mensch und dem Bösen diskutiert. Seine herausragenden Exempel tragischer Menschen sind Newman und Kierkegaard. "In einem noch gewaltigeren Ausmaße (als Kierkegaard) ist Newman eine tragische Person, wiewohl seine heilige Seele selig war in der unzerstörbaren Gewißheit des Glaubens an das Heil in Christus ... Er war nicht schuld an der Apostasie Englands ... seine unsäglichen Leiden, sich lossagen zu müssen von seiner geliebten Stiefmutter ... waren ein tragisches Leiden."[52] "Keine Konversion aus Unglaube oder Gleichgültigkeit ist tragisch, wohl aber jegliche aus einer echt gelebten und gleichsam verratenen Treue zu einem Glauben an ein Höheres, selbst wenn es der Sieg der Ewigkeit ist. Hier ist die Tragik, die wahrlich keine kleine Angelegenheit des Menschen in diesem Aeon ist. Alles hängt davon ab, ob einer zurückblickt. Tut er das, so kann er, obwohl er den Glauben gewonnen hat ..., zum schwermütigsten Menschen der Welt werden."[53]

Es gab hinreichend Gründe, über Gottes scheinbare Abwesenheit von der deutschen politischen Szene in den 30er Jahren nachzudenken. Unter diesen Umständen nahm Haecker Zuflucht zu Newmans theologischer Analyse des Verlaufs der Geschichte in der Grammar: "Was dem Geist so stark und so peinlich auffällt, ist Seine Abwesenheit (wenn ich so sagen darf) von Seiner eigenen Welt. Es ist ein Schweigen, das redet." Und Haecker stimmt Newmans Alternative zu: "Entweder, es gibt keinen Schöpfer, oder er hat seine Geschöpfe enteignet". Und er ist auch mit Newmans Lösung einverstanden: "Mein wahrer Berichterstatter, mein belastetes Gewissen, gibt mir die wahre Antwort ... zumal: Es sagt aus, ohne jede Besorgnis, daß Gott existiert, und es sagt ebenso gewiß aus, daß ich ihm entfremdet bin ... So löst es das Geheimnis der Welt und sieht in diesem Geheimnis nur eine Bestätigung seines eigenen ursprünglichen Unterrichts."[54]

Ein Jahr später, im Jahre 1935, publizierte Haecker "Der Christ und die Geschichte", eine Art Geschichtstheologie, bei der er sich mit der Rolle der göttlichen Vorsehung befaßt. Um seine Auffassung zu illustrieren, übernahm er Materialien aus Newmans Darstellung der Exkommunikation Napoleons durch Papst Pius VII. Newman sah einen Zusammenhang zwischen Napoleons Frage, ob der Papst annehme, daß infolge seiner Exkommunikation den Soldaten die Waffen aus den Händen fallen würden, und Napoleons Niederlage in Rußland. Und Haecker stimmt zu, daß es "keine blinden Zufälle" bei den Ereignissen der Geschichte gibt, sondern daß die "Akte der göttlichen Vorsehung" Elemente einer Heilsgeschichte sind.[55]

Aus dem Manuskript dieses Buches hielt Haecker am 13. Mai 1935 einen Vortrag in Freiburg i. Br., der mit provozierenden Zwischenrufen und einem Tumult von Mitgliedern des NS Deutschen Studentenbundes beendet wurde. Eine Notiz im "Freiburger Studentenkurier" warnte vor weiteren Aktivitäten des "politischen Katholizismus". Martin Heidegger kritisierte in seiner Vorlesung jenes Sommersemesters Haeckers publizistische Tätigkeit als "in sich gewichts- und bedeutungslos".[56]

Im Jahre 1936 verweist Haecker noch einmal im Zusammenhang mit der Reflexion der göttlichen Vorsehung in der Geschichte auf Newman, der "in einem der wichtigsten Kapitel seiner Grammar of Assent der Meinung Ausdruck gegeben (habe), daß Gott im 'Zufall' noch mehr und in speziellerer Weise als in der Kausalität der Natur ... seine Existenz, sein Wesen, seine Lenkung offenbaren kann und offenbart".[57]

Im Jahre 1937 -  zwei Jahre, bevor die Übersetzung des Dream of Gerontius gedruckt wurde - finden wir ein Zitat aus Newmans großem Gedicht in Haeckers "Der Geist des Menschen und die Wahrheit", dem letzten der eigenen Bücher, die Haecker vor dem Schreibverbot veröffentlichen konnte. Bei dem Bemühen, die Erfahrung des Nichts zu beschreiben, das, so Haecker, als "Schicksal der Lüge und der Lügner" droht, bezieht er sich auf das Erleben des Gerontius auf seinem Sterbebett:

"Als ob versinken wollt mein eigenes Ich, als ob Substanz ich keine mehr jetzt wär, als könnt auf nichts ich fallen zu stützen mich ...und kehren nirgend hin und müßt vergehen."[58]

So besteht Haecker inmitten eines politischen Systems von Menschenverächtern  auf dem Wert der Wahrheit und nimmt Newman als einen Zeugen dafür, daß in Gottes Gegenwart die Erfahrung der Nichtigkeit des Menschen offenbar wird.

Nachdem Haecker Schreibverbot erhalten hatte, wandte er sich der Übersetzung und Herausgabe von ausgewählten Predigten Newmans zu. Im Jahr 1938 veröffentlichte er "Die Kirche und dieWelt", ein Band mit 15 Predigten aus Newmans "Sermons Bearing on Subjects of the Day". Den Titel nahm er von der ersten Predigt "Die Kirche und die Welt", sein Auswahlkriterium für folgende Predigten: "Glaube und die Welt", "Die christliche Kirche, eine Weltmacht", "Heiligkeit, das Zeichen der christlichen Weltmacht". Aber er nahm auch einige der "Perochial and Plain Sermons" auf, wie "Die Religion des Tages" oder "Der Geist von Kindern". Haecker beließ den Band ohne Vorwort oder Kommentar. Newmans Worte konnten die Botschaft über die Thematik dieser Tage allein ausrichten. So endet beispielsweise die erste Predigt: "Du mußt entweder die Welt erobern oder die Welt wird dich erobern. Du mußt Meister sein oder Sklave. Wähle also deine Seite und 'steh fest . in der Freiheit, mit der uns Christus frei gemacht hat'."[59]

Im Jahre 1939 wurde "Der Traum des Gerontius" von Herder Freiburg gedruckt mit einer dreifachen Einleitung: einer Chronologie des Lebens Newmans, einer Zuordnung des "Traums des Gerontius" zu Newmans Schriften und einer Interpretation seines Inhaltes. Obgleich dieses Gedicht "auf dem Weg der Inspiration, ja der Vision (entstand) ... scheinbar ohne jede Vorbereitung ... und ihn nachher tatsächlich auch nicht mehr beschäftigte, ja aus seinem Gedächtnis so gut wie verschwand -, trotzdem enthält es gedrängt in kostbarer Fülle und Lebendigkeit seinen gelebten Glauben und die Dogmatik und Theologie der katholischen Kirche in unauflöslicher Verbindung."[60] "Es muß in jedem christlichen Kunstwerk", sagt Haecker, "damit es überhaupt christlich heißen kann, die Möglichkeit liegen, den Empfänglichen zu Gott oder näher zu Gott und zur Anbetung zu führen". In diesem Sinne nennt Haecker Newmans Werk: "die Dichtung eines Theologen. Mit der Gnade, wie ein Kirchenlehrer fehlerlos die unfehlbare Lehre der Kirche wiederzugeben ..., dem Allgemeinen die persönlichste Form zu schaffen. Das ist etwas Goßes und Seltenes. Das ganze Werk Newmans ist voll der Zeugnisse seiner Verehrung der Engel, ja seines innigen Lebens mit ihnen. 'Der Traum des Gerontius' aber gar scheint gleichsam durch die Inspiration ihm huldvoll erwidernder Engel entstanden zu sein ..."[61]

Im Jahre1940 veröffentlichte Haecker einen zweiten Band mit 12 Predigten aus Newmans Perochial and Plain Sermons. Der Titel "Das Mysterium der Dreieinigkeit und der Menschwerdung Gottes" nennt die beiden Brennpunkte der Auswahl. In seinem Nachwort betont Haecker, diese Predigten seien "in strengem Sinne theologisch, ja dogmatisch; das ist bei Predigten in neuerer Zeit sehr selten der Fall. Leider. Eben das streng Theologische, ja Dogmatische, ist mit ein Grund gewesen, warum ich sie übersetzt habe ... Wenn das ewig Überlieferte dargelegt wird von einem Prediger, dessen fürbittendes Herz man klopfen hört und fühlt ..., - so ist etwas Großes da, und wie alles Große, Seltenes."[62] Mit Freude beschreibt Haecker, wie die Reinheit der christlichen Lehre in ihrer Geschichte einst von dem einen Jota im homo- usios abhing und daß diese Geschichte der arianischen Kontroverse "das erste Thema für die jugendlichen Kräfte Newmans gewesen" ist. "Ich glaube kaum, daß es in der Geschichte der katholischen Theologie Größeres, Heroischeres gibt als den kämpferischen Aufbau der Dogmen, welche die Mysterien der Trinität und der Inkarnation zum Gegenstand haben."[63] Beeindruckend ist Haeckers Beschreibung der Teilnehmer an diesem Kampf der Heilsgeschichte: nämlich "die unbesiegbare Gnade des Heiligen Geistes ..., die guten und die gefallenen Engel, die Niedrigkeit der Welt, die Treue einfacher Gläubigen, der reine Glaube und das Genie eines auserwählten Bischofs: Athanasius ..." Seine Werke habe Newman "in sein königliches Englisch übersetzt". Wo doch englische Philosophie zumeist für Pragmatismus stehe, sei es: "um so schöner, daß gerade ein solcher Geist (wie Newman, G. B.) uns zeigt, wie notwendig der Eifer um die Sorge der Unbeflecktheit der Lehre ist ... Die Reinheit der Lehre hat Newman zur katholischen Kirche geführt, an Menschen voll tiefer Frömmigkeit und tätiger Güte hat es ihm in der anglikanischen Kirche nicht gefehlt."[64]

Theodor Haecker übersetzte mehr Newmanbücher als er unter den schwierigen Umständen im Nazideutschland während des Krieges veröffentlichen konnte. Unter seinen Manuskripten, die er hinterlassen hat, befindet sich eine Übersetzung des Tract Nr. 83 "Adventspredigten über den Antichrist" und ein beträchtlicher Teil aus den "Historischen Skizzen"; beide wurden posthum veröffentlicht.[65]

IV. DIE HEILSGESCHICHTE UND DIE MÄCHTE DER FINSTERNIS: NEWMAN IN HAECKERS "TAG- UND NACHTBÜCHERN"

In "Wahrheit und Leben" von 1930[66] fordert Haecker vom "idealen Geschichts-schreiber: daß er zuerst an die Wahrheit sich halte, an die Wahrheit eines kontingenten Faktums, und zwar mit der Treue eines Zeugen, der einen Eid abgelegt hat, vor Gott!, die Wahrheit zu sagen, nichts hinzuzufügen und nichts wegzulassen,  und daß er dann aus Anlaß dieses zufälligen Faktums eine Erkenntnis vom Wesen des Menschen habe und entwickle" über dessen irdische und ewige Aufgaben. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges schrieb Haecker ein Tagebuch vom Oktober 1939 bis zum 9. Februar 1945, in dem er versuchte, wie er in einem Brief an Ludwig Ficker schreibt, sich "das Unverständliche etwas klar zu machen ..., wenn ich auch nicht darüber hinauskomme, es absolut klar zu machen, daß es unverständlich ist."[67] Haecker versuchte so, die Tagespolitik einer infernalischen Diktatur im Lichte des christlichen Glaubens zu interpretieren und in den Nächten den goldenen Faden der Heilsgeschichte als Trost gegen den Terror des Tages zu finden. Die "Tag- und Nachtbücher", wie Haeckers Manuskript genannt wurde, als es 1947 erstmals publiziert wurde, enthalten viele Gedankenwelten. Wir beschränken uns im folgenden auf die sechs Notate, in denen Haecker Newman erwähnt, und konzentrieren uns dabei auf seine geschichtstheologische Perspektive.

Den wichtigsten Hinweis auf Newman finden wir im Zusammenhang mit der militärischen Operation von Dünkirchen, wo es einer Anzahl von britischen Schiffen  auf Grund der schlechten Wetterverhältnisse gelang, sichere Häfen zu erreichen. Haecker schreibt: "1./2. Juni 1942. Newmans Theorie von dem merkwürdigen Zusammentreffen natürlicher Ereignisse in bestimmten Stunden als 'Zeichen' göttlicher Führung kam mir ins Gedächtnis, als es im Berichte hieß, daß das Wetter unsichtig war. So hätte heute der Kardinal, lebte er noch, predigen können: Ein Engel glättete den Kanal, der sonst um diese Zeit im Sturme tobt, und breitete die Finsternis undurchdringlichen Nebels gleichzeitig über das Meer. So wurden Zehntausende gerettet.[68] Um Haeckers Kommentar zu interpretieren, beziehen wir uns auf Newmans Predigt über "Die Mächte der Natur", deren Übersetzung er zwei Jahre zuvor veröffentlicht hatte: "So lernen wir, soweit die Miteilungen der Schrift reichen, daß der Gang der Natur, der so wunderbar ist, so schön, so schrecklich, durch das Amt und den Dienst jener unsichtbaren Wesen bewirkt wird. Die Natur ist nicht unbelebt; ... Die brennende Lava der Vulkane, die (wie es scheint) die Ursache von Sodoms und Gomorras Untergang war, wurde verursacht durch die beiden Engel, die Lot erretteten ..." Was "jene drei heiligen Knaben" anbetrifft, "die Nebukadnezar in den Feuerofen warf: die Engel wurden geheißen, die Natur des Feuers zu ändern, es unschädlich für sie zu machen..." Und obgleich Jahrhunderte vergangen sind und wir so viel über den Lauf der Welt und die "wirklichen Ursachen" der Dinge zu wissen meinen, so "stelle ich es jedem anheim, ob es nicht ebenso philosophisch ist und ebenso voll intellektueller Freude, die Bewegungen in der natürlichen Welt auf sie (die Engel) hinzuführen wie der Versuch, sie durch gewisse wissenschaftliche Theorien zu erklären ..."[69]

Sowohl Haeckers Eintrag in seinem Tag- und Nachbuch wie auch Newmans Theorie von den Engeln, die im Naturverlauf und in der Menschheitsgeschichte tätig sind, enthalten dieselbe formale Struktur, die wir in Newmans und Josef Butlers Konzept der Analogie finden. Newman hat es in seiner kritischen Rezension von "Milman's View of Christianity"[70] beschrieben, wo er sagt: "Die sichtbare Welt ist das Werkzeug, vielmehr der Schleier der unsichtbaren; der Schleier, jedoch teilweise auch das Symbol und der Verweisindex". Die göttliche "Vorsehung begleitet geheimnisvoll und kooperiert mit dem System, das wir sehen."[71] Sowohl für Haecker wie für Newman ist das Analogieprinzip die Grundlage für diese kooperative oder symbolische Struktur. Mit den Worten Haeckers: "Alle mystische und symbolische Interpretation der Schrift ist nur möglich kraft der substantiellen Ähnlichkeit alles Seins und kraft des formalen Prinzips der Analogie."[72]

Haecker versuchte das Prinzip, das Newman aus der Heilsgeschichte für die Theorie der göttlichen Vorsehung im persönlichen Leben anwandte, auf die politische Szene seiner Tage zu übertragen. Auf die Ereignisse von Dünkirchen war es anwendbar, aber je länger die Zeit von Hitlers militärischen Erfolgen dauerte, desto größer wurde der Erklärungsnotstand für Haecker und desto tiefer seine "Melancholie". Eingangs lesen wir in seinem Tag- und Nachtbuch über die "Dummheit der Führer und die Dummheit der Geführten". Und er führt zur Illustration an: "Es ist erschütternd, wie das Denken stirbt. Einer kann sagen, daß der Mensch selber veränderlich ist, der Deutsche aber sei ewig. Er ist durchaus nicht imstande, den Schluß zu ziehen, daß dann sicherlich der Deutsche kein Mensch ist."[73] Und in seinem vorletzten Eintrag notiert er: "Vergessen wir nicht, daß uns Gott so geschaffen hat, daß wir ihn nicht verstehen, ich sage gar nicht, nicht verstehen sollen, sondern aber daß wir ihn tatsächlich nicht verstehen?! Aber vielleicht versteht er selber sich auch nicht? Ich meine so, wie wir es verstehen, daß man sich verstehe! Aber dann ist es doch besser, von 'verstehen' nicht mehr zu reden!" - Ist Haecker mit seinem Versuch, die Tagespolitik seiner Zeit heilsgeschichtlich zu interpretieren, gescheitert?

Ein anderes Thema, das Haecker an Newman erinnert, ist die Sprache in Predigten für die Verkündigung des Evangeliums. "Müssen nicht . die Prediger des Wortes Christi eine andere Stimme bekommen, in einem anderen Tone sprechen? Ein Stil wird und muß immer sein. Weder Petrus noch Ambrosius oder Augustinus oder St. Thomas oder Newman werden gesprochen haben 'wie ihnen der Schnabel gewachsen ist'. Aber ist der heutige giltige Stil nicht ein recht verunziertes, blechernes, rostiges Gefäß geworden? Sowohl un-, ja widernatürlich, als auch ungeistig ... Ist nicht eine Korrelation (..) zwischen bösen Worten, falschem Denken, er- und verlogenem Fühlen? Aber meine Augen sind zu schwach, die verbindenden Fäden zu sehen."[74] - Dieser Eintrag vom 27. April 1940 könnte im Zusammenhang stehen mit Newmans Predigten, die Haecker im selben Jahr übersetzte und unter dem Titel "Das Mysterium der Dreieinigkeit" veröffentlichte. - Gegen Ende des Jahres 1940 dachte er noch einmal über den Wert der Sprache in der Verkündigung des Evangeliums nach; und unter den Vorbildern, auf die er sich dabei bezieht, ist wiederum Newman: "Die ewigen Wahrheiten müssen immer wieder einen neuen Leib der Zeit bekommen. Newman oder Kierkegaard oder Hilty mußten und konnten Dinge sagen, die eben Thomas oder Augustinus nicht sagen konnten, obwohl sie dasselbe sagen. Es wäre ja wohl auch ungerecht, wenn die Gaben und die Leiden der Newman, Kierkegaard, Hilty und Thomas nur unnötige Wiederholungen zur Frucht gehabt hätten."[75]

Der weite Horizont von Haeckers Überlegungen über Wert und Gültigkeit der christlichen Verkündigung zeigt sich in einem weiteren Eintrag, den er in der selben Nacht geschrieben hatte: "Es geht darum, ob die Menschheit sein (des Menschen, G. B.) Ende besiegelt mit dem Siege der Lüge, ob die Menschheit endet als Schurke und als Knecht; ob der 'Deutsche' dazu prädestiniert ist, das Reich der Finsternis für diesen Äon zu errichten."[76] Haecker erwartete hingegen den Sieg der Wahrheit. Ein Eintrag, der an Newmans "Arianer des vierten Jahrhunderts" erinnert, lautet: "Athanasius der Große sagte von Kaiser Julian, der ihm nach dem Leben trachtete ..., er sei 'eine Wolke, die sich bald verziehen wird'. Nach noch nicht zwei Jahren war die Wolke weg. Heute ist die Sache anders. Vielleicht, weil kein Athanasius da ist. Harren wir aus! Wachet und betet!"[77]

Obgleich Haecker in seinen Tag- und Nachtbüchern Newman nicht gerade häufig erwähnt - sechsmal insgesamt - muß man doch sagen, daß er sein Garant in allen Angelegenheiten der Wahrheit und des christlichen Glaubens war, aber ebenso für den Bereich von Christentum und Kultur, Haeckers spezifische Thematik. So schreibt er am 15. Juli 1941,  beim letzten Eintrag, in dem er Newmans Namen nennt: "Man kann die großen Geister des 19. Jahrhunderts einteilen in solche, die den prophetischen Geist hatten und in solche, die ihn nicht hatten. Kierkegaard, Newman, Dostoievski hatten ihn, Tolstoi hatte ihn nicht, wiewohl seine natürliche Genialität wahrlich nicht geringer war als irgendeine andere."[78] - Insgesamt bestätigen die "Tag- und Nachtbücher", was Henry Tristram über Haecker im Jahre 1939 geschrieben hatte: "Seit ich Ihren Namen zum ersten Mal gehört habe, haben Sie in meinen Gedanken eine ganz besondere Nische eingenommen als der einsame Denker, der durch Überschreiten der Nationalitätsgrenzen und indem er die Schwierigkeiten einer fremden Sprache meisterte, in den Schriften unseres Kardinals einen sowohl spirituellen wie intellektuellen Schatz gefunden hat, der unbezahlbar ist."[79]

Theodor Haecker starb am 9. April 1945 in einem Koma, hervorgerufen durch Diabetis, in Ustersbach bei Augsburg. Im November 1944 war er dorthin umgezogen,  nachdem seine Münchner Wohnung der Bombardierung zum Opfer gefallen war. "Haecker starb einen schweren Tod", ein Gleichnis seines Lebens, wie sein Freund Richard Seewald sagt, der aus Haeckers letztem Brief zitiert: "Gott hat mich in eine harte Schule genommen, unbarmherzig, barmherzig."[80] - Am Wohnhaus seiner Kindheit in Esslingen brachten seine Freunde eine Tafel an mit der Inschrift: "Theodor Haecker, ein dezidierter Christ, ein genuiner Denker, ein Meister des Wortes." 

V. THEMENVORSCHLÄGE ZUR KÜNFTIGEN HAECKER-FORSCHUNG

Obgleich eine Werkausgabe der Arbeiten Theodor Haeckers bereits 1958 - 1967 in fünf Bänden erschien, ist eine kritische und kommentierte Ausgabe seiner "Tag- und Nachtbücher 1939 - 1945" erst kürzlich erfolgt (1989); und nur wenige Untersuchungen haben sich bisher mit spezifischen Themen von Haeckers Leben und Werk befaßt. Deshalb mag es von Nutzen sein, einige Anregungen zur künftigen Haecker-Forschung zu geben, deren Reichweite auch die Bedeutsamkeit von Haeckers Werk andeutet:

  • Die Bedeutung von Satire und Ironie in den Werken Newmans, Kierkegaards und   Haeckers[81].
    Haecker, "der Hierarchist", in seinem Verständnis des thomistischen Ordo-"Denkens" und Newmans Thomismus[82]
  • Der Kairos für Newman-Übersetzungen in Deutschland zwischen Theodor Haeckers Übersetzung der Grammar of Assent (1921), Matthias Laros' Edition von Maria Knoepflers Übersetzung der Apologia pro vita sua (1922) und Erich Przywaras Herausgabe von Edith Steins Übersetzung der "Briefe und Tagebücher ... 1801 - 1845" (1928).
  • Haeckers Aufzeichnungen über sein Treffen mit Edmund Husserl im Jahre 1926 und Husserls Bedeutung für das Verständnis von Newmans Erkenntnistheorie in Deutschland.
  • Die Juden: Ein Vergleich von Newmans Anti-Judaismen, H. Bellocs theologischen und politischen Vorschlägen und Haeckers prophetischer Perspektive (1927) im Licht von "Nostra aetate" Kap. 4 des II. Vatikanischen Konzils.
  • Martin Heideggers Kritik an Haeckers metaphysischer Interpretation der Geschichte (im Jahre 1935)[83].
  • Reinhold Schneider und Theodor Haecker: Ihr Verständnis von Newmans Theorie der Geschichte unter Gottes Vorsehung.

In der Nachkriegssituation des Zweiten Weltkriegs nahm Reinhold Schneider die hundertste Wiederkehr von Newmans Konversion 1945 zum Anlaß, ein Büchlein zu veröffentlichen, das er "Newmans Entscheidung" nannte (Freiburg 1946). Darin zeigt sich eine überraschende Nähe zwischen dem, was er über Newmans Konversion zu sagen hat, und Haeckers Nachfolge in der Spur des großen Konvertiten: "Auf einem lange, an wunderbaren Fügungen reichen Wege war er auf das letzte Geheimnis des Ich und des Du zurückgewiesen worden, das für ihn der Grund seiner Gewißheit war. Die Existenz Gottes stand für ihn so fest wie die Gewißheit der eigenen Existenz; von daher bauten sich alle seine Einsichten und Entschlüsse auf. Solus cum solo: darauf ruhte felsenfest seine Entscheidung: auf dem Ernste einsamer Verantwortung ist sie, auch als Ziel eines objektiv zu verfolgenden Weges, unangreifbar geworden. Und auf dieses Geheimnis müssen wir zuerst verweisen, wenn wir die Frage nach der Bedeutung der Konversion beantworten wollen: ein großer Beter ist in die Kirche eingegangen ... Er habe, sagt er, mit Bezug auf sein Buch "Grammar of Assent", sein Alles hingegeben. Das ist es, was er der Kirche zum Geschenk gemacht hat: sein Alles, eine mächtige einsame, aus der Einsamkeit in die Liebe zu Gott und den Menschen drängende Persönlichkeit ..."[84]

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Abkürzungen:

N = Notate (Nummerierung der TNB)

Siefken, T.H.= Theodor Haecker (1879 - 1945) bearb. von Hinrich Siefken, Marbacher Magazin 49.

TNB = Th. Haecker, Tag- und Nachtbücher 1939 - 1945. Erste vollständige und kommentierte Ausgabe von H. Siefken, Innsbruck 1989.

WW = Ausgabe der Gesammelten Werke in fünf Bänden, München 1958 - 1967.

 [1] Richard Seewald, u.a. Abschied von Theodor Haecker,  in: Der Brenner 16 (1946) 259

 [2] Erste Auflage Leipzig 1934; WW IV, München 1965

 [3] TNB S. 15

 [4] Leipzig 1931;  7. Aufl., München 1952.

 [5] W. Benjamin, Privilegiertes Denken. Zu Theodor Haeckers Vergil, in: Schriften, Bd. II, Frankfurt  a.M. 1955, 315 - 323; 322.

 [6] M. Laros, Theodor Haecker, in: Literarischer Handweiser 1927/28, 165 - 170; 167.

 [7] Thomas Mann, Tagebücher 1933 - 1934, hrsg. von Peter de Mendelssohn, Frankfurt a.M. 1977, 513.

 [8] T. Haecker, Der Christ und die Geschichte, Leipzig 1935, 264

 [9] Ebd. 252

 [10] C. Hilty, Glück, 3 Bände, 1891 - 1899

 [11] T. Haecker, S. Kierkegaard und die Philosophie der Innerlichkeit. München 1913, 57f

 [12] T. Haecker, Satire und Polemik. 1914 -1920, Innsbruck 1922, 11

 [13] T. de Chardin, Journal Tom I, Paris 1975, 82f. Vgl. H. Riedlinger, J. H. Newman und T. de Chardin, in: Internationale Cardinal Newman Studien, Bd. XI, Nürnberg 1980, 173 - 189; 182

 [14] Vgl. ebd. Journal 90f

 [15] TNB S. 48 N. 164.

 [16] Henry Tristrams Briefexzerpte von Haecker: MSS in den Archives of the Birmingham Oratory

 [17] Aus einem Brief von H. Tristram an den Herausgeber des Hochland im August 1939, der als Beitrag zu einer Festschrift zu Ehren Theodor Haeckers anläßlich seines 60. Geburtstags am 4. Juni 1939 gedacht war. Hernach benützte Tristram sein Manuskript, das im Archiv des Oratoriums aufbewahrt wird, zu einem Gedächtnisartikel über T. Haecker in "The Tablet": "Newman in Germany. A note on Theodor Haecker" (6. Oktober 1945, S. 165). Tristram vermutet mit Recht, daß die Festschrift "auf Grund des Kriegsausbruchs vielleicht niemals veröffentlicht wurde". Allerdings wurde ein persönliches Exemplar mit allen Artikeln einschließlich Tristrams Brief für Haecker angefertigt: "Erst gegen Ende 1940 werden ihm die Beiträge ... in einem einzigen Exemplar überreicht" (Siefken, T. H. S. 55f).

 [18] Vgl. Tristrams letter von 1939.

 [19] Vgl. Anm. 16. - Was Husserls "Logische Untersuchungen" angeht (3 Bände, Tübingen 1900 - 1901),  so befaßt sich der Autor in Bd. II/1 über die "Phänomenologie und Theorie der Erkenntnis" mit "neueren Abstraktionstheorien" nach J. St. Mill, H. Spencer, J. Locke, G. Berkley und D. Hume etc. Dabei gibt es eine Reihe von Berührungspunkten mit Newmans Verweis auf angelsächsische Erkenntnistheoretiker, beispielsweise in der Differenzierung zwischen ideal und real bei Husserl. a.a.O., S. 128f.

 [20] Brief an Fr. J. Bacchus vom 30.11.1920.

 [21] Brief an Bacchus vom 14. November 1922.

 [22] Brief vom 13.1.1923. - Die in der Korrespondenz erwähnten Bücher Newmans, die er erhalten hat, sind: Grammar of Assent, Arians, Essay on the Development, Sermons of Subjects of the Day, Discourses to Mixed Congregations, Historical Sketches, Tracts Theological and Ecclesiastical, Certain Difficulties Felt by Anglicans, Dream of Gerontius, Apologia.

 [23] Nach der Übersetzung der Grammar of Assent begann Haecker mit der Übersetzung des Essay of the Development of Christian Doctrine: "Die Entwicklung der christlichen Lehre und der Begriff der Entwicklung", München 1922; 2. Auflage: "Über die Entwicklung der Glaubenslehre. Durchgesehene Neuausgabe der Übersetzung von T. Haecker... von Johannes Artz", Mainz 1969.

 [24] Vgl. Anm. 17.

 [25] In seiner Übersetzung: S. Kierkegaard, "Der Begriff des Auserwählten",  Hellerau 1917,  schrieb Haecker im Nachwort: "Was Augustinus über die Trinität sagt: 'Dictum est >tres personae<  non ut illud diceretur, sed ne taceretur', ist ja der reine Typus der paradoxen und antithetischen Grenzsprache, in der die ganze Theologie Kierkegaards gedacht und geschrieben ist; aber der Kardinal Newman erzählt von einem mystischen Erschauen der Trinität, das also jenseits jener Dialektik liegen muß. Doch kein Mißverständnis: für den 'natürlichen' Verstand ... gibt es ewig und wesentlich, was das Christliche anlangt, nur das Paradox ... und in alle Ewigkeit nicht ...: die Mediation, die Hegelei ..." Cf. WW Bd. I Essays, München 1958, 26.

 [26] J. H. Kardinal Newman, Philosophie des Glaubens (Grammar of Assent), München 1921, 429 - 448. - Vorauspublikationen seiner Übersetzung und seines Nachworts vgl. in: Der Brenner 6, 1919/21, von August 1920 - Juni 1921.

 [27] Ebd. S. 437.

 [28] Ebd. 439. - In diesem Zusammenhang erwähnt Haecker, daß man "vor kaum zwanzig Jahren diese Entdeckung infolge psychologistischer Befangenheiten in Deutschland als nicht ernst zu nehmende willkürliche Konstruktion betrachtet" hätte, daß aber "heute nach den 'Logischen Untersuchungen' Husserls Newmans Lehre von der Zustimmung in ihrer Klassizität erkannt und gewürdigt werden wird."

 [29] Ebd. 441.

 [30] Ebd. 441.  - Vgl. J. H. Newman, Parochial and Plain Sermons, Uniform Edition IV, 82f.

 [31] Philosophie des Glaubens a.a.O., 307.

 [32] Ebd. 442.

 [33] Ebd. 442 - 443.

 [34] Vgl. Siefken, T. H. 19: "Übertritt in die Katholische Kirche." - Bis jetzt ist kein offizieller Eintrag in einem Pfarregister gefunden worden, weder in St. Bonifacius noch in St. Ursula, München, die Pfarreien, zu denen Haecker zu jener gehört haben könnte, als er in der Rankestraße wohnte oder in Heiligblut, als er in der Möhlstraße lebte. Der Taufeintrag seines zweiten Sohnes Reinhard, der 1927 geboren wurde, in der Pfarrei St. Peter, bezeichnet Haecker als katholisch.

 [35] T. Haecker, Philosophie des Glaubens, a.a.O. 444 und 447f.

 [36] T. Haecker, Satire und Polemik, Innsbruck 1922, Vorwort.

 [37] Hochland 26, 1929, 476 - 493; 476. Eine erweiterte Form wurde 1932 veröffentlicht und ist abgedruckt in: T. Haecker, Opuscula, Olten, 1949, 153 - 223.

 [38] Opuscula a.a.O., 177.

 [39] Ebd., 211f.

 [40] Ebd., 222f. - Die Wahrheit des Menschen liegt im Werden, so interpretiert Haecker Kierkegaards Wahreitsbegriff (ebd., 195), und auch darin liegt eine Assoziation zu Newmans Verständnis des Realize: daß die Wahrheit nicht so sehr gesagt als getan werden soll (Parochial and Plain Sermons, Bd. I, 27).

 [41] T. Haecker, Der Buckel Kierkegaards, in: Opuscula, a.a.O., 225 - 310, 257f.

 [42] Ebd., 258.

 [43] J. H. Newman, Die Entwicklung der christlichen Lehre und der Begriff der Entwicklung, München 1922, 464.

 [44] WW I Essays, 238 u. 254.

 [45] Vgl. WW I Essays, 194. Haecker bezieht sich auf "Philosophie des Glaubens" a.a.O., 293 ff.

 [46] T. Haecker, Nachwort, in: H. Belloc, Die Juden, München 1927, 215 - 232. Haecker bezieht sich auf "Philosophie des Glaubens", a.a.O. 370ff.

 [47] Ebd., 230. Vgl. 232: "Der Übersetzer ... hat das Werk für das deutsche Volk und die Juden in Deutschland übersetzt mit keiner anderen Absicht als eben dieser. Friede sei Israel!" - Eine gründliche Analyse des Antijudaismus gibt es weder bei Haecker noch bei Newman; zum gegenwärtigen Stand nach dem Dekret "Nostra Aetate" des Vaticanum II vgl. G. Biemer - E. L. Ehrlich, Hrg., Lernprozess Christen Juden, 10 Bände, Düsseldorf - Freiburg, 1980 - 1995.

 [48] Vgl. o. Anm. 36 - 39.

 [49] Opuscula a.a.O., 334.

 [50] Ebd., 394f. - In seinem Artikel "Wahrheit und Leben" (Hochland 2, 1930, H. 7, 1 - 26) bezieht sich Haecker auf Newmans Essay on the Development: "Als Kardinal Newman sich überlegte, welches Prinzip der christlichen Lehre er an den Anfang einer systematischen Zusammenfassung stellen könne, entschied er sich für die Lehre von der Inkarnation ... Das ist das Zentrum ..." (Vgl. WW I, Essays, 295).

 [51] T. Haecker, Vergil (1931) in: WW V, 141f. Vgl.: Schönheit (1936), in: WW V, 264. - J. H. Newman, Philosophie des Glaubens, a.a.O., 64f.

 [52] T. Haecker, Schöpfer und Schöpfung (1934) in: WW IV, 419.

 [53] Ebd., 420.

 [54] Ebd., 365 - 367. - Vgl. Philosophie des Glaubens, a.a.O., 339 - 341. Haecker übernimmt auch Newmans Beschreibung der individuellen Heilsgeschichte nach einem Gedicht von Thomas Parnell: "Ein Engel, als Mensch verkleidet, stielt einen goldenen Becher, erwürgt ein Kind und wirft einen Führer in den Fluß und erklärt dann seinen entsetzten Gefährten, daß Handlungen, die in einem Menschen Ungeheuerlichkeiten wären, in ihm, als Gottes Diener, Taten erbarmender Korrektion oder der Widervergeltung sind." (Philosophie des Glaubens, 360: vgl. Haecker WW IV, 369).

 [55] Haecker, WW IV, 277f, 295f; vgl. Philosophie des Glaubens, a.a.O., 366f.

 [56] Siefken, T.H., 52f.

 [57] T. Haecker, Schönheit. Ein Versuch, Leipzig 1936: WW V, 258.

 [58] T. Haecker, Der Geist des Menschen und die Wahrheit, Leipzig 1937: in: WW III, Satire und Polemik, 1961, 375f; vgl. Haeckers Übersetzung "Der Traum des Gerontius" Freiburg 1952, 15.

 [59] J. H. Newman, München, 1. Auflg. 1938; 3. Auflg. 1953. Vgl. Sermons and Subjects of the Day, Uniform Edition 111.

 [60] J. H. Newman, Der Traum des Gerontius, 3. Aufl., a.a.O., 4.

 [61] Ebd. 9f.

 [62] T. Haaecker, Nachwort, in: J. H. Newman, Das Mysterium der Dreieinigkeit und der Menschwerdung Gottes, München, 1. Aufl. 1940, 2. Aufl. 1950, 209 - 217; 211.

 [63] Ebd. 213f.

 [64] Ebd. 215f.

 [65] "Der Antichrist nach der Lehre der Väter" mit einem Nachwort von Werner Becker, München 1951. - "Historische Skizzen", deutsch von T. Haecker und einer Übersetzung von Else Seelenfreund, mit einem Nachwort, hrg. v. Werner Becker, München 1948.

 [66] T. Haecker, Wahrheit und Leben. Ein Vortrag, Hellerau 1930;  vgl. Opuscula a.a.O. 93 - 152; 140.

 [67] Zit.: Siefken, T. H., 57.

 [68] TNB S. 71f N. 297.

 [69] Vgl. "Die Kirche und die Welt", a.a.O. 194 - 197.

 [70] J. H. Newman, Essays Critical and Historical. Uniform Edition, vol. II 186 - 248; cf. G. Biemer, "Niebuhriser? L'historiographie selon Newman: une reconstruction de la vie, In: Claude Lepelley - Paul Veyriras, Newman et l'histoire, Lyon 1992, 147 - 168.

 [71] J. H. Newman, Essays Critical and Historical, a.a.O. II, 192.

 [72] TNB, S. 23 N. 20.

 [73] TNB S. 21, N 2f.

 [74] TNB S. 52f, N. 194.

 [75] TNB S. 145, N. 683 vom 30. Dezember 1940.

 [76] TNB S. 144, N. 679.

 [77] TNB S. 52, N. 192.

 [78] TNB S. 197, N. 916. - Wir lassen N. 569 aus, wo Newman im Zusammenhang mit der Frage nach dem Wert antiker Sprachkenntnisse für Studenten der Wirtschaftswissenschaften erwähnt wird,  und N. 891, wo er beim Vergleich philosophischer Argumente mit denen christlichen Glaubens zitiert wird.

 [79] S.o. Anm. 17.

 [80] R. Seewald, Wo würde Haecker heute stehen? In: Hochland  63, 1971, 92.

 [81] Vgl. I. Ker, Newman the Satirist, In: I. Ker - A. G. Hill, Eds., Newman after a Hundred Years, Oxford 1990, 1 - 20.

 [82] Vgl. H. F. Davis, Newman and Thomism, In:  Newman-Studien, Bd. III, Nürnberg 1957, 157 - 169.

 [83] Vgl. TNB S. 101, N. 452, mit dem Kommentar ebd. S. 287.

 [84] R. Schneider, Newmans Entscheidung, Freiburg 1946, 22f.

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