"Dieses unwiderstehliche Aufblühen neuen Lebens"

Wie John Henry Newman den Heiligen Geist verkündet.

von Günter Biemer

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I. Die Urkirche - eine Offenbarung des Heiligen Geistes

II. Der Leben gebende Geist im Weltall, in der Heilsgeschichte und in der Kirche.

II. Entwicklung des Glaubens als marianisches Prinzip

IV. Der Heilige Geist als Prinzip des Wachstums im Subjektiven Wort Gottes.

V. Die Erneuerung der Katholischen Kirche im England des 19. Jahrhunderts: ein Beispiel für das Wirken des Heiligen Geistes.

VI. Die Inspiration der Heiligen Schrift und das unfehlbare Lehramt: Newmans theologische Überlegungen zum Wirken des Heiligen Geistes

In seinen „Betrachtungen über die Christliche Lehre“ spricht Newman den Heiligen Geist als den „Ewigen Beistand, das Leben aller Dinge“ an:

 

„Ich bete Dich an als das Leben alles dessen, was lebt. Durch Dich hängt das ganze materielle Universum zusammen, in Dir hat es seinen Mittelpunkt und Bestand. Du leitest es seine Bahn und hältst die Ordnung und gegenseitige Beziehung zwischen seinen verschiedenen Teilen aufrecht. Von Dir hat die Erde ihre jetzige Gestalt erhalten und sich entwickelt ... Du gibst allen Bäumen, Kräutern und Früchten Gedeihen und Vollendung. Du führst nach dem Winter den Frühling ins Land und erneuerst alles. Dieses wunderbare, herrliche, unwiderstehliche Aufblühen neuen Lebens, trotz aller Hindernisse, dieser gewaltige Triumph der Natur ist das Werk Deiner glorreichen Gegenwart. ... Du bist das Leben der ganzen Schöpfung, o ewiger Tröster – und nicht bloß die Tierwelt und die materielle Weltstruktur hat das Leben von Dir, in viel tieferem Sinne belebst Du die Welt des Geistes.“ Schöpfung ist das Werk des Geistes Gottes, aber sie ist nur eine der Dimensionen seiner Aktivität. „Du bist es, der aus Sündern Heilige macht. Durch Dich wird die Kirche erfrischt und gestärkt. Du erweckst Helden in ihr und gibst den Märtyrern Kraft ... Neue Länder werden für Christus gewonnen; und dem alten apostolischen Glaubensbekenntnis werden neue Offenbarungen und Erleuchtungen zuteil ...“[1]

 

Newman betont immer wieder, dass der Heilige Geist die treibende Kraft der Heilsgeschichte im allgemeinen ist und der Geschichte des Älteren und Neuen Bundes im besonderen. Die zentrale Stellung der Christologie in Newmans Verständnis des christlichen Glaubens ist schon des öfteren untersucht worden: von Roderick Strange, von Jean Honoré, von Fortunato Morrone u.a.[2]  Hier werden die Grundzüge seiner Pneumatologie (Lehre vom Heiligen Geist) skizziert, wobei wir uns auf sechs charakteristische Äußerungen in seiner Verkündigung und Lehre konzentrieren.

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I. Die Urkirche – eine Offenbarung des Heiligen Geistes

 

In zwei seiner „Universitätspredigten“ aus den frühen 30er Jahren befasst sich Newman in signifikanter Weise mit dem Heiligen Geist. Obgleich er in einer Anmerkung sagt, sie sei „aufgrund einer plötzlicher Aufforderung zum Predigen, in Eile verfasst“, wählte Newman für die Predigt vom 6. März 1831 sein Lieblingsthema „Heiligkeit“ und nannte sie „Evangeliumgemäße Heiligkeit – die Vollendung der natürlichen Tugend“. Das Predigtmotto war aus Eph. 5, 9: „Wandelt als Kinder des Lichtes; denn die Frucht des Geistes ist lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit“. Newman legte dar, wie das Ziel der menschlichen Existenz mit der Hilfe des Heiligen Geistes und nur mit ihr erreicht werden könne:

 

„Das Christentum verkündet die Vergebung der Sünden und die Verheißung des ewigen Lebens durch die Mittlerschaft (Jesu) Christi, und es erklärt zugleich, Mittel für die Vervollkommnung unserer sittlichen Natur aufzuweisen. Diese Vervollkommnung wird, wie wir wissen, in der Heiligen Schrift dem Heiligen Geist als erster Ursache zugeschrieben. Von ihm stammt der Einfluß auf den Geist und – unter dessen Einfluß - die sittliche Formung des Charakters ...“[3]

 

Newman zeigt, dass „der geistbegabte und der tugendhafte Mensch im wesentlichen dasselbe“ meint; und doch gibt es einen Unterschied. Verglichen mit den normalen Tugenden, wie sie Menschen der bürgerlichen Gesellschaft aufweisen, besteht die Besonderheit der christlichen Heiligkeit darin, dass sie ein Vorgang ist, der das ganze Leben umfasst. „Tugend ist noch nicht die volle Gabe des Geistes. Wie könnten wir dem Fortschritt der Heiligung eine Grenze setzen?“ fragt Newman im Blick auf die ganz individuell erfolgende Berufung des Christen. – Nur zwei Monate später, am 22. Mai 1831, greift Newman in der Predigt über den „Adel des Christen“ das Thema wieder auf. Von der Gegenwart des Heiligen Geistes in der Kirche sagt er: „Diese große Wahrheit prägt den ganzen Weg jener heiligen Gemeinschaft mit (Jesus) Christus.“ Aber er fügt hinzu: „Ich spreche jetzt nicht von uns selbst in dieser degenerierten Zeit, in der wir die Gaben des Evangeliums infolge unserer Sünden nahezu verwirkt haben“. Vielmehr geht seine Vision von der Größe der christlichen Berufung in jene Zeit der Verfolgung, als die Christen der Mahnung folgten, „die gewöhnlichen Dinge, nach denen die Menschheit strebt, gering zu achten: Reichtum, Luxus, Ehre, Volkstümlichkeit und Macht. ... So bewegen auch die Sorgen des Lebens den Christen mit der Zeit immer weniger, in dem Maße, wie unter dem Walten des Heiligen Geistes, die Einsicht in ihm wächst; und um einen äußersten Fall zu setzen, selbst in der Verfolgung weiß er gut, dass er kraft der inneren Gegenwart Gottes größer ist als jene, die für eine Zeit Macht über ihn haben, wie das Beispiel der Märtyrer und Bekenner oft gezeigt hat.“[4]

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Am 22. Januar 1832 hielt Newman seine fünfte Predigt „vor der Universität Oxford“ über „Perönlichen Einfluß als Mittel zur Ausbreitung der Wahrheit“ des Evangeliums. Zu jener Zeit war Newman in das Studium der arianischen Kontroverse vertieft. Dabei lernte er die Gestalt des hl. Athanasius kennen. Dessen Persönlichkeit sollte für Newmans Leben zentrale Bedeutung erhalten. Aus den Schriften des Athanasius lernte Newman, was die Kirchenväter des 4. Jahrhunderts genau über das Geheimnis der Menschwerdung dachten und lehrten, wenn sie den spezifischen Begriff des Herabsteigens gebrauchten (sugkatabasis, condescensio). Newman war sowohl über die Bereitschaft des Athanasius beeindruckt, für die wahre Lehre über Jesus Christus Verfolgungen zu erleiden, wie über die Treue der alexandrinischen Laienschaft. Diese hielt treu zu ihrem legitimen Bischof und bewies einen sicheren Glaubensinstinkt für die wahre Lehre. Newman entdeckte zugleich den Wert und die Bedeutung der Katechese, wenn sie den rechten Geist verlieh, die Botschaft des Evangeliums als eine „göttliche Philosophie“ zu verstehen, bei der alle Aussagen miteinander in Zusammenhang stehen.

 

In seiner Predigt forderte Newman seine Gemeinde dazu auf, existentielle Zeugen des Evangeliums für ihre Zeit zu werden. Die Wahrheit des Evangeliums, sagte Newman,

 

„hat sich in der Welt nicht als System, nicht durch Bücher, nicht durch Argumente, auch nicht durch weltliche Macht erhalten, sondern durch den persönlichen Einfluß solcher Männer (und Frauen, GB), ... die zugleich Lehrer und Vorbilder der Wahrheit sind.“[5] Und indem er sie als individuelle Gläubige betrachtete, fügte Newman hinzu: „Wir werden es schwierig finden, die sittliche Macht zu würdigen, die ein einzelner Mensch im Lauf der Jahre über seinen eigenen Kreis erwirbt, wenn er sich geübt hat, zu tun, was er andere lehrt.“ „Eine kleine Schar hoch-begnadeter Menschen wird die Welt für die kommenden Jahrhunderte retten. Einst hat sogar ein einziger Mensch[6] der Kirche ein Bild so eingeprägt, daß es durch Gottes Barmherzigkeit bis zum Ende der Welt nicht erlöschen wird. Solche Menschen stehen wie der Prophet auf dem Wachturm ... Jeder empfängt die heilige Flamme und gibt sie weiter ...“[7]

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Das grundlegende Prinzip dieser Predigt besagt: Noch immer zeigt uns die Kirche jener Zeit der Kirchenväter die normativen Züge und die lebendige Gestalt wie man wirklich Christ sein soll. Und das ist genau die Funktion der Väterkirche der ersten Jahrhunderte, die durch den Beistand des Heiligen Geistes ermöglicht wurde.

 

Die Kirche der Frühzeit „darf in ihrer kollektiven Heiligkeit als eine so dichte Annäherung an das Vorbild von (Jesus) Christus betrachtet werden, wie sie der gefallene Mensch überhaupt je erreichen wird. Sie ist tatsächlich eine Art Offenbarung jenes Heiligen Geistes in körperlicher Gestalt, der uns als ein zweiter Lehrer der Wahrheit nach dem Weggang Christi verheißen wurde. Und das wurde Er auch in einem viel mannigfaltigeren Bereich als dem, worin sich Jesus unser Herr geoffenbart hatte ...“[8]

 

Die Kirche der ersten Jahrhunderte in ihrer „gemeinschaftlichen Heiligkeit“ als „eine Art Offenbarung des Heiligen Geistes wie in körperlicher Gestalt“[9] zu betrachten, war eine der Quellen von Newmans Theologie, und das nicht nur in seinen anglikanischen Tagen. In der Kirche der Kirchenväter habe er bei seinen intensiven Studien das Prinzip des bischöflichen Sukzession und die Praxis der Kindertaufe entdeckt, sagt er in derselben Predigt „Über persönlichen Einfluß“. Und er betont auch die spezifische Funktion der Heiligen Schrift: Sie soll „die Herausbildung eines bestimmten Charakters sichern“, damit das Volk Gottes in der Epoche des Martyriums für seine Aufgabe den Glauben zu bezeugen, qualifiziert sei. – William Palmer von Worcester College, eine Altersgenosse und Theologe, der bei der Predigt anwesend war, schrieb Newman noch am selben Tag: „Wie dankbar bin ich der Göttlichen Barmherzigkeit, dass sie solche Prediger der Rechtschaffenheit beruft. In Zeiten der Sorge und Niedergeschlagenheit, wenn das Böse auf der ganzen Erde überhand zu nehmen scheint, ist es für den gebrochenen Geist ein unaussprechlicher Trost, zu sehen und zu wissen, dass sich noch einige gläubige Menschen finden.“[10] 

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Es hört sich wie eine Binsenwahrheit an, wenn man zu der Folgerung kommt, dass die Oxfordbewegung ihre geistliche Kraft aus der Kirche des Altertums nahm, welche Newman in gewisser Weise als Offenbarung des Heiligen Geistes in körperlicher Gestalt betrachtete.- Weniger bekannt ist die Tatsache, dass ein Autor der zeitlich parallelen theologischen Reformbewegung in der katholischen Kirche in Deutschland, Johann Adam Möhler (1796 – 1838) in Tübingen, auch an die Einheit stiftende Kraft des Heiligen Geistes in der Väterkirche glaubte und die Grundlegung seines Christusglaubens genau wie Newman bei  „Athanasius dem Großen“ erhielt.[11] 

 

 

II. Der Leben gebende Geist im Weltall, in der Heilsgeschichte und in der Kirche.

 

Im ersten Traktat, mit dem in gewissem Sinn die Oxford-Bewegung begann, richtete Newman einen Appell an seine Mitbrüder im Priesteramt und forderte sie auf, den apostolischen Geist zu erwecken, der ihnen bei der Priesterweihe verliehen worden war. „Ich fürchte, wir haben den wirklichen Grund, auf dem unsere Autorität beruht, vernachlässigt – unsere apostolische Herkunft. ... Daher: Handeln Sie Ihrer Berufung gemäß, liebe Mitbrüder ...; denn wenn Sie den Geist der Apostel haben, ist das gewiß eine große Gabe ... Zeigen Sie, dass Sie sie wertschätzen!“

 

Newman teilte die Bedeutung des Heiligen Geistes während der ersten Jahre der Oxford-Bewegung auch seiner Gemeinde mit. So sagte er am Pfingstfest 1834 über die „Einwohnung des Heiligen Geistes“:

„Die Herabkunft des Heiligen Geistes ist ebenso unfassbar wie die des Sohnes. Er ist immer die geheime Gegenwart Gottes in der Schöpfung gewesen, ein Lebensquell inmitten des Chaos. Er gestaltete und ordnete, was zuerst ungestalt und leer war. Er ist die Stimme der Wahrheit in den Herzen aller vernünftigen Wesen und bringt sie in Einklang mit den Weisungen des göttlichen Gesetzes ... Daher wird Er besonders der lebenspendende Geist genannt, weil er sozusagen die Seele der gesamten Natur ist, die Kraft von Mensch und Tier, der Führer im Glauben, der Zeuge gegen die Sünde, das innere Lichte der Patriarchen und Propheten, die Gnade, die in der Seele des Christen wohnt, der Herr und Lenker der Kirche.“[12]

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Der Heilige Geist ist immer in der Schöpfung gegenwärtig, er begleitete die Geschichte der Menschheit von ihren Anfängen an, indem er die religiösen Traditionen der Heiden lenkte.[13] In einer spezifischeren Weise inspirierte Gottes Geist Mose, die siebzig Ältesten Israels und viele andere leitende Persönlichkeiten des Bundes mit den Juden, erläuterte Newman und fuhr fort: „Das waren große Gnadenerweise. Doch bei all ihrer Größe sind sie nichts im Vergleich zu der alles übersteigenden Gnade, mit der wir Christen geehrt werden, mit dem großen Privileg nämlich, nicht nur die Gaben des Geistes, sondern seine Gegenwart, ja Ihn Selbst, in einer wirklichen, nicht nur bildlich verstandenen Gegenwart Einwohnung in unser Herz aufzunehmen.“[14] Seitdem Jesus von Nazaret der Christus wurde, der Gesalbte, und uns so zeigte, dass der Geist von Gott kommt, wir die große himmlische Gabe „der Geist (Jesu) Christi genannt, um uns deutlich verstehen zu lassen, dass zu von (Jesus Christus her) und an seiner Stelle kommt“:

 

„Er ist in der Gegenwart das Unterpfand Dessen, der abwesend ist; - oder Besser: mehr als ein Pfand; denn ein Angeld ist nicht nur ein Zeichen, das uns nach seiner Einlösung genommen wird, ... sondern eine Art Vorschuß von dem, was uns eines Tages in seiner Fülle ausbezahlt wird. ...Er kommt zu uns wie Christus in einer wirklichen und persönlichen Gegenwart.“[15]

 

Der Heilige Geist ist nichts wenige als nur ein Ersatz für Jesus Christus, erklärt Newman. Er ist eine Garantie dafür, dass der Umschwung, den Jesus in der Heilsgeschichte bewirkt hat, seine Fortsetzung findet „sowohl in der Kirche (als Gemeinschaft) wie in der einzelnen Seele“. Newman fasst das Wirken des Heiligen Geistes in drei Punkten zusammen: a. „Er prägt uns das Bild unseres himmlischen Vaters ein“, weshalb wir Gott auch „Vater unser“ nennen dürfen. - b. „Das Einwohnen des Heiligen Geistes erhebt die Seele nicht nur zum Denken an Gott, sondern auch an (Jesus) Christus.“ Der Geist bringt das Werk Christi durch die Inspiration der Heiligen Schrift, durch die Sakramente, durch die Erbauung der Kirche zur Vollendung. – c. Schließlich gibt der Heilige Geist durch die geheimnisvolle Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn Frieden und Freude. „So erschafft der Gottesgeist in uns die Einfalt und Wärme des Herzens, wie sie Kindern eigen sind, ja noch mehr den himmlischen Scharen ..., die in seinem geheimnisvollen Werk zusammenwirken.“[16] 

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Ein Jahr danach, im November 1835, hielt Newman eine Predigt über „Die Gabe des Geistes“. Das Predigtmotto war aus 2 Kor 3, 18: „Wir alle spiegeln mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn.“ Der Geist selbst, seine Gegenwart in der Kirche, „wird als Gabe der Herrlichkeit bezeichnet ...“ führt Newman aus: „(Sie) kann nicht begrenzt, sie kann nicht geteilt, nicht durch Teilung ausgeschöpft werden. ... Jede Beschreibung, die wir von ihr geben können, kann und sollte lediglich darauf hinauslaufen, dass sie ein Geheimnis ist.“[17] Das herrliche Geheimnis und die geheimnisvolle Herrlichkeit, die die göttliche Dimension der Kirche ausmachen, sind das Werk des Heiligen Geistes. – Newman bezieht sich auf Joh 3, 5: „Wer nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem Geist, kann nicht in das Reich Gottes eingehen“, um zu zeigen, dass die Erlösungsinitiative Gottes für die Vielen und die Erlösung des einzelnen untrennbar zusammengehören: „Das größere Geheimnis der Menschwerdung dient dazu, Gefäß und Unterpfand für das Geheimnis der neuen Geburt zu sein.“[18] – Wie die Verklärung Jesu den Aposteln bewusst machte, dass das Reich Gottes bereits in verborgener Weise unter ihnen präsent war – dass Jesus „Christus dessen Mitte, seine Herrlichkeit dessen Licht“ ist - , so ereignet sich im getauften Menschen die Gegenwart des Geheimnisses: „Die Göttliche Schechinah geht in ihm auf , durchdringt Seele und Leib, trennt ihn wirklich und nicht nur dem Namen nach von denen, die keine Christen sind; sie hebt ihn auf der Stufenleiter des Seins weiter empor ... und verleiht ihm zur rechten Zeit und im rechten Maß ihre eigene überragende und himmlische Kraft. Während der Getaufte so sorgfältig die Gabe (des Geistes, GB) hegt und pflegt, wird er – wie es in den Worten des Vorspruchs heißt – ‚eben durch den Geist des Herrn von Herrlichkeit zu Herrlichkeit verwandelt’“. Newman schließt mit der Einladung an seine Gemeinde, die „besonderen Werke des Geistes“ zu vollbringen, die durch Gottes Gnade zur unserer Vollendung beitragen, auch wenn wir nicht wissen, wie das geschieht. „Alles was wir wissen , ist, dass, indem wir beharrlich bleiben, das innere Licht heller und heller wird und Gott selbst sich uns offenbart in einer Weise, von der die Welt nichts weiß.“[19]

 

Am Ende seiner Predigt über „Die Gabe des Geistes“ hatte sich Newman auf das Geheimnis der Kirche konzentriert: „Die Lehre, bei der ich verweilte, kann nicht anders als tiefere und ehrfürchtigere Gefühle gegenüber der Kirche (Jesu, GB) Christi in uns zu wecken, die der besondere Wohnsitz (des Heiligen Geistes, GB) ist.“. – Es ist bekannt, dass dies nicht die Auffassung der Mehrheit der Anglikaner von der Kirche war. Allein schon „von Kirche überhaupt zu sprechen, obgleich sie doch im Glaubensbekenntnis erwähnt wird, wurde für römisch gehalten“[20], erklärt Newman in seinen „Vorlesungen über das Prophetische Amt der Kirche“ im Jahre 1837. Bei dem Versuch eine real existierende Via Media, einen Mittleren Weg in der Lehre von der Kirche, zu schaffen, kämpft Newman zwischen der Verheißung der Heiligen Schrift und der historischen Wirklichkeit. „Die Kirche wird zur großen und besonderen Stütze der Wahrheit erklärt ... und eine direkte Verheißung gewährt ihr, dass das Wort der Wahrheit, das ihr anvertraut ist, niemals verloren geht: Dies ist die Folge der immer gegenwärtigen Sorge und Führung des Heiligen Geistes.“[21] Die tatsächliche Gespaltenheit der christlichen Kirchen widerspreche ihrer Aufgabe, die Stütze der Wahrheit zu sein: „Da die Kirche jetzt nicht eine ist, ist sie nicht unfehlbar.“[22] Das Selbstverständnis der Anglikanischen Kirche, wie es in den Neununddreißig Artikeln zum Ausdruck kommt, konnte nicht mit der Rolle des Heiligen Geistes, wie sie in der Heiligen Schrift steht, in Übereinstimmung gebracht werden; Newman fand sich vor einem unlösbaren Problem. Der „Mittlere Weg“ war ein Kompromiß-Modell, das im Angesicht der Ewigen Wahrheit, die der Heilige Geist in der Kirche repräsentierte, keinen Bestand haben konnte. Mittlere Wege erwiesen sich in der Heilsgeschichte als Häresien und ihr Anspruch „zerfiel in Staub“[23]. -  Trotzdem hatte Newman mit einem anderen Versuch, einen „Mittleren Weg“ zu bahnen mehr Erfolg. In seinen „Vorlesungen über die Rechtfertigung“ (1838) findet Newman die Vermittlung zwischen der römisch-katholischen und protestantischen Auffassung in einem tiefeeren Verständnis beider Positionen, indem er das kreative Werk beschreibt, das der Heilige Geist vollbringt, der „seine Bleibe in der Seele der getauften Person“ nimmt. So kann Newman am Ende der 12. Vorlesungen die Zusammenfassung gebe: „Der rechtfertigende Glaube ist der Anfang des Ewigen, die Tätigkeit der (in uns) Einwohnenden Kraft, die von innen nach außen wirkt und um uns herum, die in uns mächtig am Werk ist, die mit unserem Willen so intim ist, dass sie mit ihm im wahren Sinn eins ist. (Diese Einwohnende Kraft) ergießt sich in unseren Geist, läuft über in unsere Gedanken, Wünsche, Gefühle, Ziele, Versuche und Tätigkeiten, verbindet sie alle zu einem, macht den ganzen Menschen zu ihrem einen Werkzeug und rechtfertigt ihn zu einem heiligen und gnadenvollen Dienst, zu Verkörperung eines Glaubensaktes, der das ganze Leben umfasst.“[24]  -  Zweifellos hatte Hans Küng recht, als er in seiner Arbeit über die Rechtfertigungslehre Karl Barths bemerkte, Newman habe „eine der besten Arbeiten über Rechtfertigung“ geschrieben.[25]

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III. Entwicklung des Glaubens als marianisches Prinzip

 

Newman hielt die Predigt über „Die Theorie der Entwicklung in der religiösen Lehre“ am Fest Mariä Lichtmeß, dem 2. Februar 1843. Er wählte als Predigtmotto: „Maria aber bewahrte all diese Dinge und erwog sie in ihrem Herzen“ (Lk 2, 19). Den Zusammenhang erklärt Newman zu Beginn der Predigt:

 

„Maria ist unser Vorbild sowohl in der Annahme wie im Studium der göttlichen Wahrheit. Sie hält es nicht für genug, sie anzunehmen; sie verweilt bei ihr. Es genügt ihr nicht, sie zu besitzen, sie benutzt sie. Es genügt ihr nicht, ihr zuzustimmen, sie entwickelt sie. Es genügt ihr nicht, ihr die Vernunft zu unterwerfen, sie denkt auch darüber nach. Allerdings nicht so, dass sie zuerst ihre Vernunft gebrauchte und nachher glaubte, wie Zacharias. Vielmehr glaubte sie zuerst, ohne nachzuforschen; dann fängt sie aus Liebe und Ehrfurcht an, nachzudenken, nachdem sie bereits glaubt. Und so ist sie für uns nicht nur ein Sinnbild für den Glauben der Ungelehrten, sondern auch für den der Kirchenlehrer, die das Evangelium ebenso sehr zu erforschen, abzuwägen und zu definieren wie zu bekennen haben; die die Grenzlinie zwischen Wahrheit und Häresie ziehen sollen ....; die Stolz und Ehrfurchtslosigkeit mit ihren eigenen Waffen bekämpfen müssen, um so über den Wichtigtuer und den Neuerer zu siegen.“[26]

In dieser Haltung Maria, bei der zuerst das Glauben und dann das Reflektieren kommt, bei der sowohl das Bekenntnis und der Gehorsam zum Evangelium wie auch dessen Erforschen ihren Platz haben, entdeckte Newman die Ikone seines neuen Schlüsselbegriffs für die Theologie, den er „Entwicklung“ nannte. Zum ersten Mal war es ihm möglich die beiden Ströme der episkopalen und der prophetischen Tradition vereint fließen zu sehen. Von nun an konnte der Abgrund zwischen dem Geist der Väterkirche und der heutigen Kirche überbrückt werden, wenn letztere den Anspruch erhob, die Zeugin der Gegenwart des Heiligen Geistes Jesu Christi zu sein.

 

Im Juni desselben Jahres 1843 dachte Newman noch aus der anglikanischen Position, als er über den „Zusammenhang zwischen persönlicher und allgemeiner Besserung“ predigte. Er brachte eine Kirchenreform in Vorschlag, die auf dem Weg der Selbstreform der einzelnen Christen unter Führung des Heiligen Geistes erfolgen sollte:

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„Es ist die heilige Taufe, mit der Gott uns heimsucht und die unsere ganze Seele und den ganzen Leib durchdringt. Keinen Teil an uns lässt sie ungereinigt, ungeheiligt. Sie beansprucht den ganzen Menschen für Gott. Ein Geist, der sich mit weniger zufrieden gibt, der nicht zu äüßerster Hingabe und Frömmigkeit führt, der etwas für uns zurückbehält, der unserem Eigenwillen nachgibt, der dieser oder jener natürlichen Neigung oder Anhänglichkeit schmeichelt, der nicht auf die Beständigkeit des religiösen Charakters aus ist, kommt nicht von Gott. Der himmlische Einfluß, den er uns geschenkt hat, ist im Herzen des einzelnen ebenso innig gegenwärtig und ebenso durchdringend – ebenso katholisch – wie in der Welt insgesamt.  ... Und der sicherste Beweis dafür, dass wir Glieder der katholischen Kirche sind, ist der Erweis dieses katholischen Einflusses oder dieser religiösen Beständigkeit (in unserem Leben, GB). ...Somit müsste das Herz eines jeden Christen die katholische Kirche im Kleinen darstellen, macht doch ein und derselbe Geist die ganze Kirche und jedes Glied derselben zu Seinem Tempel.“[27]

 

In jener Predigt formulierte Newman ökumenische Einsichten, die gültig bleiben werden solange die Kirche existiert: „Laßt uns zuerst lernen, fleißig ‚zu den Wassern zu kommen’ (Jes 55, 1) und um jene Gabe Gottes zu bitten, die ‚in uns zu einer Wasserquelle wird, die ins ewige Leben fortströmt’ (Joh 4, 14). Und lasst uns nicht daran zweifeln, dass wir, indem wir so vorgehen, die Sache (Jesu) Christi in der Welt voranbringen werden, ob wir es sehen oder nicht, ob wir es wollen oder nicht, ob es die Welt will oder nicht. Laßt uns nur das Niveau der Religion in unseren Herzen heben, dann wird es steigen in der Welt. Wer den Versuch macht, das Reich Gottes in seinem eigenen Herzen aufzurichten, der fördert es in der Welt. ... Wer mit Christus auf den Berg geht, um zu beten, oder mit Petrus das Dach des Hauses aufsucht, mit Maria, der Mutter des Markus, in der Gemeinschaft mit vielen betet, oder mit Paulus und Silas um Mitternacht Psalmen singt, der überwindet die Welt, mag die Welt tun, was sie will.“[28]

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IV. Der Heilige Geist als Prinzip des Wachstums im Subjektiven Wort Gottes.

 

Newman schaute offenkundig auf sein Leben zurück, als er das Gebet verfaßte: „Ich bete Dich an, o allmächtiger Gott, ewiger Tröster, weil Du mich in Deiner unendlichen Güte in diese Kirche, das Werk Deiner unendlichen Macht, gebracht hast. Ich hatte keinen Anspruch an Dich auf eine so wunderbare Gnade, die alles auf Erden übertrifft ... Im Verlaufe der Zeit hat mich Deine Gnade langsam, aber unfehlbar Deiner Kirche zugeführt.“[29]

 

An der Wirkweise des Heiligen Geistes in der Kirche unterschied Newman eine objektive und eine subjektive Form. Als er 1847 für den römischen Dogmatiker Giovanni Perrone seine Entwicklungslehre in der lateinischen Abhandlung „De catholici dogmatis evolutione“ erklärte, legte Newman diesen Unterschied dar. Er griff noch einmal auf die zweifaltige Tradition im „Prophetical Office of the Church“ zurück: episkopale Tradition entsprach jetzt dem Verbum Dei obiectivum,  prophetische Tradition dem Verbum Dei subiectivum. „Das Wort Gottes wird objektiv genannt, sobald man es als in der Erkenntnis des Heiligen Geistes existierend betrachtet; ihm, deren höchster Urheber und Spender, ist die ganze Offenbarung völlig einsichtig.- Ferner ist es objektiv, so wie es sich in der Erkenntnis der Apostel vorfand, die völlig von jenem Geist erleuchtet waren, der sie alle Wahrheit gelehrt hatte. - Schließlich ... wird das Wort Gottes als objektiv betrachtet (in der Weise), wie es als einzigartige Gabe jederzeit im Verständnis der Kirche von Rom gegenwärtig ist, wo Petrus ist.“[30]

 

Anderseits betonte Newman die Rolle der Gläubigen im Prozeß der Glaubensüberlieferung. „Das Wort Gottes ist im eigentlichen Sinn subjektiv zu nennen, insofern der von den heiligen Aposteln überlieferte Glaube im Geiste einzelner wohnt,  seien sie private Personen oder Lehrer oder gewisse Zeiten oder Orte der Kirche.“[31] Wie das Sakrament der Taufe, so schenkt auch das Wort Gottes Einheit. Das Wort Gottes hat verschiedene Teile; diese Teile aber „stellen ein Ganzes her. Sie hängen nämlich derart miteinander zusammen und beruhen so aufeinander, dass sich aus ihnen allen ein Ganzes bildet. Die Einzelteile beziehen sich auf einander. Jeder Teile erfordert die übrigen.“ Deshalb kann man sagen, jemand habe nur dann „einen Glaubenssatz angenommen, wenn er ihn so annimmt, dass alle anderen (Glaubenssätze) wenigstens potentiell oder im Prinzip (virtute) ... oder ansatzweise einen Platz in seinem Verstand haben.“ Wie die Kraft, mit der Gottes Wort Einheit schafft, das Werk des Heiligen Geistes ist, so wirkt er auch in der Kraft der Logik und der Zusammenhänge, die das Wort in denen zeigt, die es aufnehmen. „Denn jener Geist, in dem (Gottes) Wort eine Ganzheit ist, lebt in seinen Teilen insgesamt, wird jedoch durch sie einzeln mitgeteilt.“[32] 

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Das existentielle Engagement der einzelnen Gläubigen, die bei Gottes Offenbarung verweilen und sie in ihrem Herzen erwägen, entzünden den Funken des Erkennens und setzen so die Entwicklung der Glaubenslehre in Gang. Mit Newmans Worten: Wer die göttliche Wahrheit „häufiger betrachtet und anschaut, erfährt schließlich, dass sie dem Geist einleuchtet .. , deutliche und zentrale Gedanken erhält und Gestalt und Form gewinnt. Dann ist sie lebendig und aktiv im Geiste, nicht mehr als ein Schatten der Wahrheit, sondern als eine Wirklichkeit mit Grundlage und Eigenschaften. Sie (= die göttliche Wahrheit) prägt dem Geist die allseitige Erkenntnis ihrer selbst ein: was sie ist und wie sie ist, aus welchen Teilen sie besteht ... und wie sie sich zu dem verhält, was außer ihr liegt. ...“[33]

 

In einem Brief aus jener Zeit bezeichnet sich Newman als „der erste Schriftsteller, der Leben zum Kennzeichen der wahren Kirche“ Jesu Christi gemacht hat.[34] Das zeigt er in der Tat in seinen Thesen über die Entwicklung für Giovanni Perrone, die wir zitiert haben. Danach besteht das Leben des Glaubens darin, unter der Führung des Heiligen Geistes in die Erkenntnis der göttlichen Botschaft hineinzuwachsen. Am Ende sagt er: „Der Fortschritt des subjektiven Wortes (Gottes) im katholischen Geist ... verläuft nicht zufällig, sondern geht in einer bestimmten Ordnung vor sich und stellt eine bestimmte Entwicklung dar, die ihre Gesetze hat und ihre Geschichte.“ Wie wir gesehen haben, ist es das Lehramt der römisch-katholischen Kirche, das in Newmans Theorie die Kluft zwischen der episkopalen und prophetischen, d.h. zwischen der statischen und dynamischen Dimension der Glaubenstradition überbrückt. Mit seinen Worten: „Die Mittel, durch die der subjektive Sinn der Kirche in objektive Lehrsätze (dogmas) übergeht, sind erstens das Wort des Papstes, wenn er ex cathedra spricht, zweitens eine Definition durch ein ökumenisches Konzil.“ Selbst in Bezug auf den rechten Zeitpunkt, wann sie von ihrer Gabe der Unfehlbarkeit Gebrauch machen soll, kann sich die Kirche auf die göttliche Führung verlassen: „...Sie schreitet nur zu geeigneter Zeit zur Definition, früher oder später, wenn jener Geist es ihr eingibt, in dem sie unfehlbar ist.“[35]

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In Newmans Leben und Theologie gibt es ein für seine Zeit außergewöhnliches Beispiel, das die Bedeutsamkeit des subjektiven Wortes Gottes für die Kirche illustriert, und das ist die Rolle der Laien im Prozeß der Glaubensüberlieferung. Schon als Anglikaner beobachtete Newman in seiner Geschichte der „Arianer des vierten Jahrhunderts“, wie sich Athanasius auf das Kirchenvolk von Alexandrien verlassen konnte, das ihn als ihren rechtmäßigen Bischof während der Verbannung unterstützte und an der von ihm verteidigten Inkarnation als der orthodoxen Glaubenslehre festhielt. Folgerichtig nahm Newman in seinen „Vorlesungen über die gegenwärtige Lage der Katholiken in England“ die Gelegenheit wahr, die Rolle der katholischen Laien für die Kirche seiner Zeit hervorzuheben. In seinem berühmten Manifest über die Laien in ihrer Sendung für die Kirche unter der Leitung des Heiligen Geistes erklärt Newman: „Ich wünsche mir eine Laienschaft, nicht überheblich, nicht vorlaut, nicht streitsüchtig, sondern Leute, die ihre Religion kennen, die sich auf sie einlassen ... , die wissen, welcher Auffassung sie sind und welcher nicht, die ihr Glaubensbekenntnis so gut kennen, dass sie darüber Rechenschaft ablegen können ... Ich wünsche mir eine intelligente, gut gebildete Laienschaft ...Zu allen Zeiten waren die Laien das Maß des katholischen Glaubens.“[36]

 

Zu jener Zeit wurde in Rom das Dogma von der „Ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ vorbereitet und dazu wurden die Bischöfe des ganzen Erdkreises über den diesbezüglichen Glauben ihrer Gemeinden befragt. Newman verstand diesen Vorgang als eine Bestätigung seiner Theologie des subjektiven Wortes Gottes: Der Heilige Stuhl achtete das durch seine Hirten repräsentierte Volk Gottes als legitime Zeugen für die real existierende Praxis dieses marianischen Glaubens. Infolgedessen verteidigte Newman seine theologische Methode in dieser Sache als er 1859 schrieb: „Ich bin gewöhnt, großen Wert auf den Konsens der Gläubigen als einen wichtigen Kanal der (Glaubens-) Überlieferung zu legen.“[37] Da er davon ausging, das Wort Gottes werde in demselben Heiligen Geist gelehrt und gelernt, verkündet und angenommen, konnte Newman sogar darauf bestehen, dass eine Kooperation von Klerus und Laien zur einer reicheren Erfahrung der Heilsgeheimnisse führt: „Obgleich in

Sachen des Glaubens die Laien nur ein Spiegel oder Echo des Klerus sein mögen, so gibt es doch in der conspiratio von Hirten und Gläubigen etwas, das die Hirten allein nicht haben.... Papst Pius (IX.) hat uns mit seiner Weise der (Glaubens-) Definition ein Modell davon gegeben, wie man verpflichtet ist, die Gefühle der Laien an einer Stelle der (Glaubens-) Tradition zu berücksichtigen, trotz der Beweisfülle, die die Bischöfe schon erbracht haben mögen.“[38] – Damit kommen wir zum Kern der Sache. Schon als junger Prediger hatte Newman die Maxime vertreten: „Wissen ist nichts im Vergleich zum Tun“.[39] Er behielt immer eine Vorliebe für einen Glauben, der im glaubwürdigen Leben eines Menschen Wirklichkeit geworden war, im Leben der Märtyrer oder Bekenner. Leben war für ihn beweiskräftiger als Logik, das Wirkliche faszinierender als Theorien. Folglich gab er in gewisser Weise dem Glauben den Vorzug, der in den Herzen der Menschen zur Praxis wurde, der Liebe, die im alltäglichen Leben ausgeübt wurde, der Hoffnung, die im Prozeß des Lebens und Sterbens erprobt war. Er zog die praktizierte Tugend theologischen Traktaten darüber vor; deshalb waren ihm die Texte heiliger Theologen (z.B. der Kirchenväter) am liebsten. Newman hatte eine Option für eine theologische Literatur, die das natürliche Folgern der einfachen Gläubigen beschrieb, wie sie lebten und starben, wie sie beteten und fluchten, wie sie heilig wurden oder den Lebenssinn verfehlten. Newmans Vorliebe für den konkreten Glaubensvollzug war keine Absage an die Bedeutung der abstrakten Theologie, nur eine Option. Er sah beide Seiten der Medaille und war ebenso kompetent in der Beschreibung der Theorie des Glaubens wie in der Darstellung des Glaubenslebens; nur letzteres hielt er – schon als Anglikaner - für attraktiver und überzeugender.

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Schließlich: der besondere Beitrag, den Newman zu einer Theologie des Heiligen Geistes zu machen hat, besteht in der Bedeutung des Subjektiven Wortes Gottes, d.h. in der prophetischen Tradition, die in einer bestimmten Ordnung zur objektiven Glaubenslehre werden kann. – Es gibt eine bildschöne Analogie, wie Newman die Rolle des lebendigen Glaubens in der Kirche auf das lebendige Lernen an der Universität anwendet:

 

„Kein Buch kann die besondere Atmosphäre und die exakten Einzelheiten seiner Thematik mit jener Schnelligkeit und Sicherheit bieten, die aus der aufmerksamen Einfühlung (sympathy) von Geist zu Geist erfolgt: durch die Augen, den Blick, die Betonung und das Verhalten, in beiläufigen Ausdrücken, die aus dem Augenblick hingeworfen werden und in ungekünstelten Wendungen vertrauten Gespräches“ entstehen.

Zu dieser kommunikativen Qualität im Bildungsvorgang, bei der Person auf Person resonant ist, sieht Newman als Theologe die deutliche Parallele zum Glaubenlernen. Die „persönliche Anwesenheit eines Lehrers“, so erklärt Newman, ist das gemeinsame Prinzip, das für den Vorgang des allgemeinen Studierens oder Lernens charakteristisch sein kann wie für die Mündliche Überlieferung, die durch die Anwesenheit des Heiligen Geistes inspiriert wird. „Das religiöse Lehren selbst liefert uns eine Illustration“, insofern, als „sein großes Instrument bzw. Organ jeweils das gewesen ist, was die Natur in jeglicher Erziehung und Bildung vorschreibt: die persönliche Anwesenheit eines Lehrers, oder in theologischer Sprache, die mündliche Überlieferung. Und es ist die lebendige Stimme, die atmende Gestalt, das ausdrucksvolle Gesicht, welches predigt, welches katechisiert. Wahrheit, ein subtiler, unsichtbarer, vielfältiger Strom des Geistes, wird in den Geist des Lernenden, durch seine Augen und Ohren gegossen, durch seine Gefühle, Einbildungskräfte und seinen Verstand, in seinen Geist eingegossen und darin für immer versiegelt.“[40]

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V. Die Erneuerung der Katholischen Kirche im England des 19. Jahrhunderts: ein Beispiel für das Wirken des Heiligen Geistes.

Nach der Wiederherstellung der katholischen Hierarchie in England wurde Newman eingeladen, bei deren erster Zusammenkunft, am 13. Juli 1852, in der neugothischen Marienkapelle des Oscott College die Predigt zu halten. Newman wählte das Motto aus dem Hohenlied: „Steh auf, eile, meine Freundin, meine Taube, meine Schöne, und komm! Denn der Winter ist nun vorüber ...“ (Hl 2, 10f). Er gab seiner Predigt den Titel „Der zweite Frühling“. Das Szenario, das Newman entwarf, enthielt Vorgänge aus der Kirche der Märtyrer sowohl aus der Kirchengeschichte wie aus der möglichen Zukunft der Kirche in England. Sie seien Zeitzeugen eines Ereignisses, das gegen die Naturgesetze und ein Werk des Heiligen Geistes sei, erklärte Newman:

 

Die physische Welt geht Jahr für Jahr ihren Gang und beginnt von neuem. Die politische Ordnung der Dinge aber erneuert sich nicht, sie kehrt nicht wieder. Sie besteht weiter, aber sie drängt vorwärts, und es gibt kein Zurück. Dies verstehen die heutigen Menschen so gut, daß bei ihnen die Vergötterung des Fortschritts nur ein anderer Name für das Gute ist. Das Vergangene kehrt nie wieder. ... Das Vergangene ist veraltet. Das Vergangene ist tot.. ... Darum also diese Verwunderung der Nation, darum dieser Aufschrei .. hier und jetzt. Die Vergangenheit ist zurückgekehrt, das Tote lebt. ... Die Englische Kirche war einmal, und die Englische Kirche war nicht mehr - und die Englische Kirche ist wieder da. Das ist das Ungeheure, eines Aufschreies wert. Es ist der Einzug eines zweiten Fühlings. Es ist eine Wiederkehr in der sittlichen Welt wie jene, die jährlich in der physischen vor sich geht ...“[41] -

 

Was ihre Zukunft als Katholiken in England angeht, so spricht Newman gegen jede Art von triumphalen Gefühlen: „Sie haben uns willkommen geheißen, wie der Löwe seine Beute begrüßt.“ Darum setzt Newman am Ende seiner Predigt auf die Hoffnung, dass der Heilige Geist den neuen Aufbruch begleite, wie er einst die Kirche der Väter begleitet habe. „Je mehr der Feind gegen uns wütet, desto mehr werden die Heiligen im Himmel für uns eintreten. Je schrecklicher unsere Prüfungen von Seiten der Welt sind, umso näher werden uns unsere Mutter Maria, unsere guten Patrone und Schutzengel sein. Je böswilliger die Anschläge der Menschen gegen uns sind, desto lauter wird der Bittruf aus dem Herzen der ganzen Kirche zu Gott für uns emporsteigen. Wir werden nicht als Waisen zurückgelassen werden; wir werden die Kraft des Trösters in uns haben, der der Kirche und jedem ihrer Mitglieder verheißen ist.“[42]

 

Niemandem, der das letzte Kapitel von Newmans „Essay über die Entwicklung der christlichen Lehre“ gelesen hat, kann der inhaltliche Zusammenhang zwischen dem „siebten Kennzeichen: Beständige Lebenskraft“ und seiner Anwendung in der Predigt „Der zweite Frühling“ entgehen. Man spürt den Atem des Heiligen Geistes, von dessen Rhythmus die Kirche durchpulst ist:

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„ Es ist wahr, es gab Zeiten, da die Kirche ... fast in eine Zustand der Auflösung (deliquium) geraten war. ... Sie hält in ihrem Lauf inne und setzt in ihren Funktionen fast aus; (doch dann) steht sie wieder auf und ist wieder dieselbe; alle Dinge sind an ihrem Platz und bereit zum Einsatz. ... Es mag Veränderungen geben, aber sie sind Konsolidierungen und Anpassungen; alles ist eindeutig und bestimmt und von einer indiskutablen Identität. Es ist in der Tat eine der populärsten Anschuldigungen gegen die Katholische Kirche gerade jetzt, dass sie unverbesserlich sei. Sie kann sich nicht ändern, wenn wir auf den heiligen Athanasius und den heiligen Leo hören; sie wird sich niemals ändern, wenn wir den Streithälsen und Wortführern unserer Tage glauben.“[43]

 

 

VI. Die Inspiration der Heiligen Schrift und das unfehlbare Lehramt: Newmans theologische Überlegungen zum Wirken des Heiligen Geistes

 

Die sechziger Jahre waren für Newman eine Zeit, in der er eine Reihe von traurigen Einträgen in seinen Tagebüchern machte. Im Januar 1863 schrieb er: „Als Protestant empfand ich meine Religion als trostlos, aber nicht meine Leben. Als Katholik jedoch empfand ich meine Leben als trostlos, aber nicht meine Religion.“[44] Die sechziger waren auch die Zeit, da Newman die Apologia schrieb, den Brief an den Pusey, die Grammar. In einigen seiner privater Aufzeichnungen beschäftigte er sich mit dem zweifachen Werk des Heiligen Geistes, seiner Inpiration der Heiligen Schrift und seiner Leitung des Lehramts der Kirche.

 

In seiner Abhandlung “Über die Idee der Inspiration der Schrift – Ein erster Blick“ bemerkt Newman:

 

„Inspiration bedeutet wörtlich ‚hineinhauchen’ ... Die Geeignetheit des Begriffs in der Theologie kommt von dem Umstand, dass das Wort Hauch (spirit) oder Atem in der Schrift sowohl für das Höchste Wesen selbst wie auch für seine Gaben verwendet wird. Göttliche Inspiration ist im aktiven Sinne des allmächtigen Gottes (des Schöpfers) Selbstmitteilung an das Geschöpf – ‚Altissimi Donum Die’ – (des höchsten Gottes Gnadengabe, GB): also (Mitteilung) gewisser Kräfte oder Befähigungen der Dritten Person der Heiligsten Dreieinigkeit, die zuinnerst ihr eigen sind und die Natur (des Menschen, GB) übersteigen. Im passiven Sinne bezeichnet Inspiration den Status des Geschöpfes, der aus dieser (Selbst-) Mitteilung folgt.“[45] - Newman unterscheidet drei Arten der Selbstmitteilung des Geistes Gottes:

„Als Gott ‚den Menschen aus dem Lehm der Erde formte’, ‚inspiravit in faciem eius spiraculum vitae’ (‚hauchte er in sein Antlitz den Atem des Lebens ein’), und ‚der Mensch wurde eine lebendige Seele’. Das war eine Inspiration und eine Gabe über den Rahmen der Erschaffung der Tierwelt hinaus. – Zudem: In einer der Visionen des Propheten Ezechiel wird der Prophet angewiesen, über eine große Zahl von Leichen zu beten ... Da findet eine zweite (Form der, GB) Inspiration statt, die an Toten ausgeübt wird. – Außerdem (heißt es): ‚Du wirst Deinen Geist aussenden und alles wird neu erschaffen werden, und Du wirst das Antlitz der Erde erneuern.’ Auch da ist Inspiration die Mitteilung einer Qualität; und zwar die Wiederherstellung oder Auffrischung von etwas, das bereits im Dasein war.“ – „Wenn dies die allgemeine Bedeutung des theologischen Begriffs Inspiration, GB) ist,“ schreibt Newman und kommt damit zum Kern seiner Abhandlung, „dann werden damit bei der Anwendung auf den Menschen (Menschheit) jene begünstigten Personen bezeichnet, deren Geist Gott mit einer besonderen Gegenwart oder Gnade heimgesucht hat. ... Sie reden, sie handeln unter diesem Einfluß; und ihre Taten und Worte haben im Bereich und in Bezug auf den Gegenstand ihrer Inspiration Anspruch auf ehrfurchtsvolle Aufnahme bei ihren Gefolgsleuten. ... Was dieser Bereich und Gegenstand der Inspiration der Propheten und Apostel ist, ist genau bestimmt. Es ist die religiöse Wahrheit.“[46]

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Inspiration, eine Gabe zur Sicherung und Versicherung der Offenbarung Gottes an die Menschen, wird also nicht dem einzelnen als persönliches Privileg zuteil, sondern ist Mittel und Weg, um die Wahrheit über Gott von Gott selbst der ganzen Menschheit zugänglich zu machen. In Newmans eigener Zusammenfassung: „Laßt uns also die Inspiration als jene spirituelle Mitgift betrachten, durch die die Empfänger einer Offenbarung befähigt werden, angemessene (hinreichende) Träger für die offenbarte Sache zu sein und zwar durch Wort oder Tat.“[47]

 

Inspiration war die Aktivität des Heiligen Geistes in der Zeit der Offenbarungsgeschichte. Er qualifizierte Menschen dazu, zuverlässige Botschafter der göttlichen Nachricht zu sein. Diese Sicherheit ist auch hernach notwendig, wenn das Evangelium von Generation zu Generation der Christen über Jahrhunderte unverfälscht tradiert werden soll. Newman argumentierte so:

 

„Wenn es eine Entwicklung geben muß, da die Offenbarung eine Gabe des Himmels ist, hätte Gott, der sie gegeben hat, sie im Grunde (virtually) nicht gegeben, wenn er sie nicht vor der Entstellung und Verderbnis gesichert hätte, die naturnotwendigerweise durch die Entwicklung über sie kommt. Oder in anderen Worten: Jene durch die Generationenfolge währende geistige Tätigkeit (intellectual action), die das Organ der Entwicklung ist,, muß insoweit unfehlbar sein in ihren Entscheidungen (determinations) als sie den Anspruch erhebt, in den Dienst der Offenbarung gestellt zu sein.“[48]

 

Die Gabe, mit der Gott der Heilige Geist die Kirche Jesu Christi davor bewahrt, die Wahrheit der Offenbarung zu verlieren, heißt Unfehlbarkeit. Diese Thematik wurde in der englischen Öffentlichkeit in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre, in der Zeit vor dem Ersten Vatikanischen Konzil, diskutiert. Joseph Flanagan, ehemals Mitglied des Birminghamer Oratoriums, der durch gewisse extreme Positionen in dem öffentlichen Disput über die Unfehlbarkeit beunruhigt worden war, wandte sich an Newman um Rat. Newman formulierte daraufhin seine Theorie vom göttlichen Beistand für das Lehramt, indem er von zwei Voraussetzungen ausging: 1. Der Gesamtinhalt der Glaubensbotschaft (depositum fidei) „besteht nicht in einer Liste von Aussagen, die nummeriert werden kann; nein, er ist eine große Philosophie, deren einzelne Teile unter einander verbunden sind und sich in gewisser Weise auf einander beziehen, so dass man von jemand, der einen Teil wirklich kennt, sagen kann, er kennt alle; so wie man am Fuß den (ganzen) Herkules erkennt.“[49] – 2. Das Credo verstanden als Summe des christlichen Glaubens „wurde der Kirche mit der Gabe (und Begabung, GB) ausgehändigt, seine wahre und ganze Bedeutung zu kennen. Eine göttliche Philosophie wurde ihr zur Bewahrung übergeben.“ Die personale Spur der Überlieferung der göttlichen Botschaft angeht, so beginnt sie mit den inspirierten Aposteln und wird von der unfehlbaren Kirche fortgesetzt. „Es gibt nichts, was die Kirche definiert hat oder definieren wird, was nicht ein Apostel genauso geantwortet hätte oder hätte antworten können, wenn man ihn gefragt hätte; jene gaben ihre Antwort aufgrund der Inspiration, diese gibt sie aufgrund ihrer Unfehlbarkeitsgabe. ... Der Unterschied zwischen beiden besteht darin, dass ein Apostel seine Antwort sofort geben konnte, während die Kirche mit Unterbrechungen antwortet, bei Zeit und Gelegenheit, oft mit Verzug und Aufschub, entsprechend der Führung durch ihren göttlichen Lehrer“, den Heiligen Geist.[50]

 

Schließlich -, nur zwei Jahre vor der dogmatischen Definition -, beschreibt Newman die Innenseite des Vorgangs einer unfehlbaren Erklärung als einen Akt „teilweiser Erleuchtung“: „Ich begreife also, dass der Inhalt des Glaubens der Kirche oder dem Papst in solchem Sinn übergeben ist, dass wenn der Papst auf dem Stuhl des heiligen Petrus sitzt oder wenn die Väter eines Konzils um ihn herum versammelt sind, ihrem Geist der Glaubensinhalt unter der Wirkung der übernatürlichen Gnade (-, soweit und in solchem Maß als es die Gelegenheit erfordert -,) mit jener Fülle und Genauigkeit vergegenwärtigt werden kann, mit der er im Geistes der Apostel für gewöhnlich, nicht (nur) gelegentlich, präsent war.“[51] Newman glaubt an die Unfehlbarkeit der Kirche, die „unter der zeitweiligen Erleuchtung durch die Göttliche Gnade“, d.h. durch das Wirken des Heiligen Geistes zustande kommt. Er habe diesen Brief, so bekennt er am Ende, „mit großem Selbstmisstrauen“ geschrieben, aber er enthält „den Standpunkt, den ich so viele Jahre hindurch eingenommen habe“.  

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Der Beistand und Tröster [52]

 

„Mein Gott und Tröster, ich erkenne Dich als den Spender der großen Gabe, durch die wir allein ge­rettet werden können, der übernatürlichen Liebe. Der Mensch ist von Natur blind und unzugänglich für alle geistlichen Dinge. Wie kann er den Himmel erlangen? Durch die Flamme Deiner Gnade, die ihn verzehrt, um ihn neu zu gestalten, ist er imstande, sich an dem zu erfreuen, wofür ihm sonst der Sinn fehlt. Du, all­mächtiger.Tröster, bist und warst die Kraft, Stärke und Standhaftigkeit der Martyrer inmitten ihrer Qualen. Du bist der Beistand des Bekenners in seinen langen, lästigen und demütigenden Mühen. Du bist das Feuer, wodurch der Glaubensbote bei seiner harten Missionstätigkejt Seelen gewinnt und sich selbst vergißt. Durch Dich werden wir vom Tode der Sünde aufgeweckt, um die Vergötzung von Geschöpfen einzutauschen gegen die reine Liebe zum Schöpfer. Du hilfst uns, Akte des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe und Reue zu er­wecken. Durch Dich leben wir in der Welt und blei­ben doch vor ihrer Ansteckung bewahrt. Du befähigst uns, daß wir uns dem heiligen Dienste weihen und un­sere erhabenen Pflichten in ihm erfüllen. Durch das Feuer, das Du in uns entzündest, pflegen wir Gebet und Meditation und tun Buße. Sowenig unser Leib leben könnte, wenn die Sonne erloschen wäre, so wenig unsere Seele, wenn Du ihr fern bist.“[53]

 


[1]BG 193 f

[2] R. Strange, Newman and the Gospel of Christ, Oxford 1981; F. Morrone, Cristo il Figlio di Dio fatto uomo, Milano 1990; J. Honoré, La pensée christologique de Newman, Paris 1996

 

[3] G 37

[4] DP IX, 160 – 173; 164 u. 167 - 169

[5] G 74

[6] Newmans Anmerkung dazu in der gedruckten Ausgabe seiner Predigten lautet: „Athanasius“

[7] G 76 u. 78

[8] G 68 (Nr. 11)

[9] In einem Brief an J.D. Dalgairns über die Übersetzung der Oxforder Universitätspredigten vom 8. Februar 1847 schlägt Newman als klärende Korrektur vor „That Blessed Spirit as if in a bodily shape“ = wie in körperlicher Gestalt (LD XII, 32). Newman teilt mit, er sei „schrecklich in Angst, dass das Buch nicht, wie die von Rosmini und anderen, vor die Index(kommission) gebracht würden“ (LD XII, 29).

[10] LD III, 81

[11] G. Biemer, Leben als das Kennzeichen der wahren Kirche Jesu Christi: zur Ekklesiologie von Johann Adam Möhler und John Henry Newman, in: H. Wagner, Hg., Johann Adam Möhler – Kirchenvater der Moderne, Paderborn 1996, 71 – 98.

[12] DP II, 242 – 258; 243

[13] Arians 80 f

[14] DP II, 244 f

[15] DP II 245 f

[16] Ebd. 255

[17] DP III 280 297; 287

[18] Ebd. 291.

[19] Ebd. 293 u. 296

[20] Proph. Off. 5

[21] Ebd. 193

[22] Ebd. 201

[23] A 144

[24] Justif. 302

[25] H. Küng, Rechtfertigung, Einsiedeln 1957, 209

[26] G 231 – 258; 231

[27] DP IX, 148 – 159; 153 f

[28] Ebd. 156

[29] BG 196 f

[30] E 394

[31] G 395

[32] Ebd.

[33] G 396

[34] Brief vom 27. Januar 1846: LD XI, 101

[35] G 398 – 401 passim

[36] Zit. nach G. Biemer: Die Wahrheit wird stärker sein, Frankfurt a. M. u.a. 2000, 256.

[37] J.H.Newman, On Consulting the Faithful in matters of Doctrine, ed. J. Coulson, London 1963/Glasgow 1986, 63

[38] Ebd. 104

[39] DP I, 31

[40] HS III, 14.

[41] DP X, 193 – 215; 199f

[42] Ebd. 212

[43] E 382

[44] SB 330

[45] Theological Papers of John Henry Newman on Biblical Inspiration and on Infallibility, selected, edited, and introduced by J. Derek Holmes, Oxford 1979, 57 – 71; 57

[46] Ebd. 57 - 58

[47] Ebd. 59

[48] Dev ²1878, 92; vgl. E 86

[49] Letter to Flanagan, 1868, in: Theological Papers, a.a.O. (Anm. 45) S. 158 

[50] Ebd.

[51] Ebd. 159

[52] Es gibt zwei Studien über Newmans Pneumatology, die in diesem Zusammenhang zu erwähnen sind: Eine Dissertation an der Lateran Universität, verfaßt von Pierre Masson OP : L’Esprit Saint dans l’oeuvre du Cardinal Newman. La transformation interieure du chretien dans l’église, Roma 1978 ; und eine neuere fundamentale Untersuchung des bekannten spanischen Newmanforschers José Morales, El Espíritu Santo en la Teología de Newman, in: J. Morales, Teología, Experiencia, Educación. Estudios Newmanianos, Pamplona 1999, 71 – 94 (=EUNSA)

[53] BG 200 f  mit Überstzungskorrekturen

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