VATER UNSER: Geheiligt werde dein Name[1]

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Das Vaterunser ist für uns alle ein geheiligter Text. Geheiligt durch unsere Väter und Mütter, durch Generationen. Geheiligt durch jene vielen freudigen oder trostlosen Augenblicke im Leben von Milliarden Menschen, die es vor uns gebetet haben. Geheiligt wie geheiligter Boden, auf dem sich die Geschicke unserer Vorväter und -mütter abgespielt haben, das Schicksal von Menschen entschieden worden ist. So ist das Vaterunser für uns.

 

Es geht um die erste Anrufung des Vaterunsers: „Geheiligt werde dein Name“. Viele haben es gewiß schon zehntausendmal gebetet. Was haben sie dabei gedacht? Es wäre interessant, einen Austausch zu halten und in diesem Dialog die Vielfalt der Erfahrungen und Wünsche, der Bitten und Hingabegefühle angesichts dieser geheimnisvollen Anrufung sich gegenseitig mitzuteilen. - In alten Beichtspiegeln steht die Frage: „Habe ich den Namen Gottes unandächtig ausgesprochen?“ Manche verbinden mit der Bitte ‘geheiligt werde dein Name’ eine Art Gebot und Weisung Jesu, die davor bewahrt, Gottes Namen unehrfürchtig oder leichtfertig oder gar im Fluch auszusprechen. Besteht nicht für viele oder gar die meisten diese Vaterunser-Bitte in einer solchen Vorstellung?

 

Aber: Eine nur formale Aussage kann es doch wohl kaum sein, was Jesus an die Spitze der Gebetsanrufungen seines ganz persönlichen Gebetes stellt, wie er es für seine Jünger verfaßte und sie lehrte. Wenn schon, dann müßte der Gottesname in seiner Substanz verunehrt werden oder eben geheiligt werden. Damit kommen wir dem Sinn und Inhalt dieser Bitte näher. Der Name Gottes steht für Gott selbst. Besonders dort, wo es sich um die von Gott selbst geoffenbarten Namen handelt: JHWH; der „Ich bin der Ichbinda für euch“ (Ex 3,14), die Selbstbezeichnung Gottes, wie er sie Mose offenbarte, als er ihn zum Führer der Befreiung Israels aus Ägypten bestimmte.

 

Versuchen wir, unter fünf Perspektiven den Gebetsanruf Jesu zu verstehen, der im Hebräischen reflexiv formuliert ist und wörtlich heißt: „Es heilige sich dein Name“.

 

I. Zeugen und Märtyrer verweisen auf Gott

 

Wir wollen uns vergewissern, was man als Jude z. Zt. Jesu unter Heiligung oder Entheiligung des Namens Gottes verstand. Etwa im Jahre 165 v. Chr. standen vor dem Tyrannen Antiochus IV. Epiphanes sieben jüdische Brüder mit ihrer Mutter aus der Sippe der Makkabäer vor Gericht. Sie wurden aufgefordert, entgegen ihren Bräuchen, ihren Geboten und Weisungen zu handeln, die sie von Gott erhalten hatten. Sie waren beschuldigt worden, daß sie die Tora, die Bundesweisung Gottes an Israel pünktlich einhalten würden. Eben deren Gebote aber hatte der Tyrann Antiochus abzuschaffen versucht. Nun zog er diese Familie in besonderer Weise heran, um an ihr ein Exempel zu statuieren. Als sechs Söhne bereits hingerichtet waren, ergriff der König selbst die Initiative und appellierte an die Mutter, doch diesen ihren jüngsten Sohn zu bereden, daß er Vernunft walten lassen solle und nicht um dieser rein formalen Gehorsamsfrage willen sein Leben verwirke. Die Mutter nahm die Gelegenheit wahr, zu ihrem Sohn zu sprechen und sie sagte zu ihm in etwa: Schau auf zum Himmel, blicke auf die Erde, bedenke, daß Gott alles geschaffen hat, auch dich und mich, und fürchte dich nicht vor diesen Henkern! Auch der Sohn nahm die Gelegenheit zu einem letzten Wort wahr und widersprach dem König noch heftiger, als dies seine Brüder getan hatten. Wie seine Brüder, gebe auch er Leib und Leben für die Weisungen, die von Gott geoffenbart und von den Vätern überliefert worden seien. Und er schloß: „Ich ... rufe zu Gott, er möge seinem Volk bald wieder gnädig sein; du aber sollst unter Qualen und Schlägen bekennen müssen, daß nur Er Gott ist.“ (2 Mak 7). Folglich wurden auch er und seine Mutter hingerichtet. - Die ganze Familie trug durch den Einsatz ihres Lebens dazu bei zu zeigen, daß JHWH, der Gott Israels, einzigartig ist. Sie erfüllten das Grundgebet und Grundgebot Israels, das im „Sch’ma Jisrael“ enthalten ist, in dem es heißt: „Höre Israel, der Herr unser Gott, JHWH ist einzig“ (Dt 6,4f). Eine solche Haltung, die bis in die Konsequenz der Hingabe des Lebens führt, heißt in der jüdischen Sprache: „Den Namen Gottes heiligen bzw. als heilig erweisen.“[2]

 

Tatsächlich gibt es ein jüdisches Gebet, das Kadisch, das bis zum heutigen Tag von gläubigen Juden gebetet wird und das die Heiligungsbitte enthält: „Erhoben und geheiligt werde sein großer Name in der Welt, die er nach seinem Willen erschaffen hat, und sein Reich erstehe in eurem Leben und in euren Tagen und im Leben des ganzen Hauses Israel schnell in naher Zeit, sprecht Amen. Sein großer Name sei gepriesen in alle Ewigkeit!“ (Sidur 64). Nimmt man das Kadisch der Trauernden hinzu, das nach Ohrenzeugen auch von jüdischen Opfern des Nationalsozialismus in den Konzentrationslagern von Auschwitz, Treblinka und Majdanek auf dem Weg zum Tode in den Gaskammern gesprochen wurde, so erhält diese Heiligungsanrufung einen in der Menschheitsgeschichte ganz und gar außergewöhnlichen Charakter und Stellenwert. Nicht umsonst hat der damalige Kardinal von Krakau, Karol Woytila, der jetzige Papst Johannes Paul II, bei einem seiner Besuche in Auschwitz gesagt, es sei das Golgotha des 20. Jahrhunderts.

 

„Geheiligt werde dein Name“:

Das bedeutet doch wohl, wenn wir die bisherigen, aus dem jüdischen Glauben bedachten Zugänge zusammennehmen, den Verweis darauf, daß Gott der Unvergleichliche, der Einzigartige ist. Ihm ist nichts gleichzuordnen oder überzuordnen. Nichts und niemand in dieser Welt ist von solcher Bedeutung für den glaubenden Menschen, noch nicht einmal er selbst. So ist es aus dem Martyriumsbericht der Makkabäer zu ersehen. So hat es das Volk Israel im Verlaufe seiner Geschichte, - gerade auch während der Verfolgungen in den christlichen Ländern des Mittelalters -, bezeugt. Viele Juden haben durch ihre Treue zur Tora den von den Propheten oft geforderten Beitrag zum Bund vom Sinai auf diese Weise geliefert.

In dieser Zeugnislinie Israels haben wir als Christen Jesus Christus, den „getreuen Zeugen“ schlechthin, einzutragen. Jesus hat die Heiligkeit Gottes, wie sie Israel in der Vision des Jesaja aufgegangen ist - im Lobpreis der Seraphim: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr“ (Jes 6) -, durch seine unverbrüchliche Verbundenheit mit dem Vater bis zur Selbstgabe seines Lebens in einen neuen Zusammenhang gebracht. Er ist der einzige Mensch, der durch sein Leben und seine Botschaft den Namen Gottes wirklich und ohne Einschränkung als heilig erwiesen hat.-In seiner Spur folgten nach unserem Glauben die christlichen Märtyrer, und sie personifizieren deshalb mit ihrem Tod sein Vermächtnis: Ignatius und Polykarp, Justin, Tertullian, Cyprian, Johannes Chrysostomus, um nur einige der Älteren nach den Aposteln zu nennen.

 

II. Gott weist sich als der Heilige aus

 

In der Bergpredigt hat Jesus gefordert: „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist, der seine Sonne aufgehen läßt über Gute und Böse, der regnen läßt über Gerechte und Ungerechte“. Damit knüpfte Jesus an das Wort aus Leviticus an: „Seid heilig, denn ich, euer Gott, bin heilig!“ Die Jünger Jesu sollen sich also als Kinder ihres Vaters im Himmel erweisen, die ihn zum Vorbild ihres Lebens nehmen, so, wie Er sich im Lebenslauf Jesu in Person als Gott erwiesen und konkretisiert hat.

Wiederum geht diese Art des Denkens auf das Ältere Testament zurück. Damals, in den Notzeiten, wie sie etwa durch die Eroberung Jerusalems und die Deportation des jüdischen Volkes in das babylonische Exil im 5. Jahrhundert aufgebrochen sind, betete das Volk um den Allmachtserweis seines Bundes-Gottes:

„Rette uns, du Gott des Alls und wirf deinen Schrecken auf alle Völker!

Schwing deine Hand gegen das fremde Volk, damit es deine mächtigen Taten sieht.

Wie du dich an uns vor ihren Augen als heilig bezeugt hast, so

verherrliche dich an ihnen vor unseren Augen, damit sie erkennen,

wie wir es erkannten: es gibt keinen Gott außer dir.“ (Sir 36, 1-5).

Israel bittet darum, daß die Heiligkeit Gottes, die sich bisher vor allem im Insistieren auf die Einhaltung der Weisungen und in der Bestrafung von Übertretungen am eigenen Volk gezeigt hatte, nun, da sie von anderen Völkern in ihrer Existenz bedrängt werden, auch einmal an denen spürbar zeigen sollte. Dann würden auch die Nichtgläubigen erfahren, daß Gott existiert und daß er das Böse, Unheilige, nicht durchgehen läßt. -- Heiligkeit erhält hier die Qualität der Einzigartigkeit von Gottes Macht und Glanz, ja seine unverwechselbares Wesen, durch das er sich von allem Geschaffenen unterscheidet. Wo er diese seine göttliche Qualität ins Spiel bringt, wird alle Unbotmäßigkeit und Gewalt geschmolzen. So heißt es beim schon zitierten Jesaja: „Wer von uns hält es aus, neben dem verzehrenden Feuer, wer von uns hält es aus, neben der ewigen Glut“ (33, 14b).

 

III. Gott erweist sich als der, dessen Name JHWH, d. h. der „Ichbinda für euch“ ist und der seinem Volk Rettung bringt

 

Die Heiligkeit Gottes ist seine absolute Andersartigkeit. Er hat sie damals erwiesen, als er sein Volk aus der Sklaverei von Ägypten herausgeführt hat in die Freiheit. Deshalb sind seine Weisungen auch mit diesem Vorauswort, mit dieser Überschrift versehen: „Ich bin JHWH dein Gott, der dich aus Ägypten, aus dem Sklavenhaus, geführt hat ...(Ex 20). - Er hat seine unzerstörbare Heilsabsicht aber in noch umfassenderem Maße erwiesen durch Jesus Christus. In ihm hat er gezeigt, wie er die gesamte Menschheitsgeschichte, die von den Anfängen an durch Adam in den Schatten des Bösen geraten ist, nun in den Verheißungszusammenhang des Heils bringen kann, sonst hätten wir als „Heidenchristen“ keinen Anteil am Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. In Jesu Person ist Wirklichkeit geworden, was in der Geschichte des Tobit als Gebetstext zu lesen steht: „Gepriesen sei Gott, der in Ewigkeit lebt ... Er führt hinab in die Unterwelt und führt auch wieder zum Leben.“ (Tob 13, 2). Er hat erwiesen, daß seine Heiligkeit den Tod durchkreuzt.

 

Jesus von Nazaret ist die personifizierte Heiligung des Namens Gottes. Die Menschen, die ihm begegnet sind und deren Zeugnis im Neuen Testament in den Evangelien hinterlegt ist, haben es in vielfältiger Weise bekundet: „Noch nie hat einer gesprochen wie dieser; denn er redet aus Vollmacht und nicht wie unsere Schriftgelehrten und Priester.“ Vollmacht, weil er voll der Macht war, die Menschen zu dem führt, was der Heiligung von Gott bzw. Gottes Namen entspricht: zur Versöhnung, zum Frieden, zur Veränderung der Herzen, zur Heilung aus Unheil. In Jesus ist den Zeitgenossen aufgeleuchtet, was es bedeutet: Gottes Heil. Dies ist eine der wichtigsten Wurzeln für das Wort Heiligkeit. Jesus erweist sich als der Heilige dadurch, daß er die Heillosigkeit dieser Welt heilt. Bei seinem ersten Kommen hat er schon diesen Namen Jeschua, d. h. Heil bzw. Heilender, Heiland, Retter.

Wenn wir beten „geheiligt werde dein Name“, dann tun wir dies in der Anweisung durch Jesus mit dem Glaubenswissen, daß sich Gott als der in der Menschheitsgeschichte erwiesen hat, der Auswege aus unseren Irrwegen, Auswege aus dem Abgrund des Bösen und des Todes bereitet hat. Er ist in seinem Sohn selbst zum Ausweg aus der Selbstzerstörung der Menschheit geworden und hat den alle Menschen universell verschlingenden Tod zum Tor gemacht, das zum Ewigen Leben führt. Alle Helle und alle Zuversicht sind also allein darin begründet, daß Gott selbst die Initiative ergreift und unsere Heillosigkeit durch den Glanz seiner Heiligkeit auflichtet. - Die erste Absicht und der erste Sinn der Heiligungsanrufung besteht also in einer Art kindlicher Erwartung: Erweis’ du dich als der Ganz Andere an uns! Geheiligt werde dein Name: an uns, in unserer Situation, durch die Auflichtung des Bösen im Feuerglanz deines Lichtes.

 

IV. Nur das Heilige hat Bestand, wenn die Welt vergeht

 

Ein letzter Gedanke! Wem ergeht es früher oder später nicht auch einmal so, daß er oder sie spürt, das Leben verläuft zu schnell! Wie rasch geht alles Schöne vorüber! Was zu Anfang des Jahres wie eine weite und mit vielen Terminen bestückte Strecke aussieht, vom Ende her erscheint es kurz bemessen. Alles, was wir beginnen, trägt das Ende in sich. Was bleibt? Jesus hat diese Frage selbst gestellt angesichts des für seine zeitgenössischen Mitjuden dauerhaftesten Bauwerks. Im Angesicht des Tempels hat er gesagt: „Kein Stein wird auf dem andern bleiben.“ Alles in dieser Welt vergeht; der Planet, auf dem wir unser Leben gestalten, wird in Feuer und Staub zerfallen. Ist das Zunichtewerden von allem und von uns allen ausweglos?

Jesus stellt den Maßstab für das auf, was bleibt. Wenn du nur einem Durstigen einen Schluck kalten Wassers reichst, wird es nicht vergessen werden. Weshalb nicht und von wem nicht vergessen? Alles, was wir in der Weise tun, daß dadurch Gott als der Heilige erwiesen wird, der nicht nach unseren Maßstäben rechnet, der nicht Aug um Aug  und Zahn um Zahn vergilt, das hat Bestand. Barmherzige werden Barmherzigkeit erlangen. Untröstlich über Ungerechtigkeit und Leid Trauernde werden Trost erlangen. Alles Handeln, das auf diese Weise göttliche Qualität in sich trägt, bleibt gerade deshalb erhalten: Es ist heilig, es ist von der „anderen Welt“. Solches Handeln hat bereits die Beschaffenheit des göttlichen Bereichs, des Reiches Gottes in sich. Überall, wo wir auch nur dem Kleinsten und Geringsten aus der Not helfen, geschieht etwas von dem, was Gottes ist, und genau deshalb, weil es von dieser göttlichen Qualität ist, kann es nicht vergehen: durch solches Handeln wird sein Name geheiligt.-

Wir erinnern uns: Maria Magdalena hat nur ein Alabastergefäß voll Salböl über die Füße Jesu gegossen, und noch heute reden wir davon. Jesus hat es prophezeit: „Wo immer man dieses Evangelium verkünden wird, wird ihr dieser ihrer Tat gedacht werden.“ Wieviel mehr wird unvergessen bleiben, daß Laurentius für die Armen von Rom sich lebendigen Leibes verbrennen ließ, daß Girolamo Savonarola in der Ekstase seiner Predigt für die Armen den Inquisiteuren zum Opfer fiel, daß Maksymilian Kolbe sein Leben für einen Landsmann gab, daß Mahatma Gandhi für die Freiheit seines Volkes sich fast bis zum Tod in den Hungerstreik begab, daß Martin Luther King die Gewaltlosigkeit als Mittel zur Erreichung der Freiheit für die Farbigen mit der Ermordung büßte, daß Jizchak Rabin dasselbe Schicksal für seine Konversion vom Militär zum Friedensvermittler erlitt, daß Mutter Teresa die Ärmsten und Sterbenden von den Trottoires in Kalkutta aufsammelte .......

 

 Dieser Mut, durch Selbstbeherrschung und Verzicht, durch Riskieren seiner Karriere oder gar seiner Existen zum Heil und Heilung, zu Gerechtigkeit und Frieden, zur Überwindung des Bösen und der Sünde beizutragen, ist das, was von uns bleibt. Damit heiligen wir Gottes Namen und machen uns selbst einen Namen, der ins Buch des Lebens geschrieben wird. Nur so ist es möglich, nach der Wende der Zeit in die Ewigkeit, wenn das neue Jerusalem, die Heilige Stadt, vom Himmel herabsteigt, zu entdecken, daß hier eine qualitative Verwandtschaft besteht zwischen dem, wozu wir unsere Existenz im Leben gestaltet haben und dem, was in der Stadt Gottes als Exiastenzbedingung erforderlich ist. Nur die werden sich als Bürger der Heiligen Stadt erfahren, die selbst Spuren dieses Geheiligtseins an sich tragen. Und dies nicht als Konsequenz eigener Leistung, sondern als Mitarbeit an der Gnade Gottes, die von Taufe an durch das Wirken des Geistes in unserem Leben am Werk war.- Allerdings nicht nur bei Getauften; denn „Gott hat das Heil (zwar) an das Sakrament der Taufe gebunden, aber Er selbst ist nicht an seine Sakramente gebunden“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr.1257).

 

V. Zusammenfassung

 

Zusammenfassend könnten wir die Lernergebnisse dieser Überlegungen zu Jesu Gebetsanleitung in folgender Weise formulieren.

Geheiligt werde dein Name wird dann richtig verstanden, wenn es von uns gedacht wird als:

1. ein Tun Gottes an uns Menschen, durch das er sich als der Heilende und unsere Misereund Ausweglosigkeit Verwandelnde und unser Leben Vollendende erweist, eben als Gott und nicht als unseresgleichen;

2. Geheiligt werde dein Name wird dann richtig verstanden, wenn es von uns gedacht wird als:  als ein Beitrag in unserem Leben dazu, daß Gott, dessen Name unaussprechlich bleibt, erste Priorität in unserem Denken, Fühlen und Entscheiden erhält und unser Verhalten zum Zeugnis wird für unsere Gebundenheit an ihn und unseren Bund mit ihm;

3. Geheiligt werde dein Name wird dann richtig verstanden, wenn es von uns gedacht wird als eine Verpflichtung, die Ähnlichkeit bzw. Ebenbildlichkeit Gottes in unseren Mitmenschen, unseren Geschwistern wahrzunehmen, besonders in allen, die in Not sind und durch unsere Hilfe die heilende und heiligende Qualität Gottes erfahren können.

4. Geheiligt werde dein Name wird dann richtig verstanden, wenn wir seine Schöpfung hegen und pflegen, die er uns zur Kultivierung anvertraut hat.

5. Ebenso heiligen wir den Namen Gottes wenn wir sein Geschöpf zu unserer Erlösung, nämlich die Kirche, als die besonderen Gabe ehren, die er uns in dieser Jetztzeit und auf dem Weg zu ihm selbst zum Angebot macht; von der Er selbst in seinem Sohn das Haupt und in seinem Geist die Seele bleibt.

6. Endlich gehört zur Heiligung von Gottes Namen, daß wir in geschwisterlicher Gesinnung „die vielen „Elemente der Wahrheit und der Heiligung außerhalb der sichtbaren Gemeinschaft“ Kirche aufmerksam und anerkennend wahrnehmen, wie das Zweite Vatikanische Konzil feststellt(Lumen Gentium Nr.8), wobei in erster Linie an das Israel des Älteren Bundes zu denken ist; aber auch an die Gläubigen der anderen Weltreligionen.

 

In einer abschließenden übersetzenden Formulierung könnten wir unsere Gedanken von den Gedanken Jesu so berühren lassen, daß wir seine Worte auf unsere Weise zum Ausdruck bringen:

             Du Einzigartiger erweise dich durch deinen heilenden und heiligenden Geist an uns als der, der nur du bist: Gott,

            damit wir auf solche Weise berührt und entflammt und begabt unserseits nichts so sehr lieben wie dich und alle und alles im Lichte dieses Geistes um deinetwillen.

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[1]  Dieser im Stil einer Erwachsenenkatechese gehaltene Beitrag erinnert an die lange, freundschaftliche Verbundenheit mit Helmut Riedlinger, vor allem an das gemeinsame Seminar bei Friedrich Stegmüller im Sommer 1954 über „Phil 2,5-11 in mittelalterlichen Schriftkommentaren“, sodann an die interdiszplinäre Zusammenarbeit zur Erstellung eines curricularen Lehrplanes (Vgl. H.Riedlinger, Dogmatik, in: G.Biemer - A.Biesinger, Theologie im Religionsunterricht, München 1976, 69-81) und insbesondere an die vielfältige Kooperation beim DFG-Forschungsprojekt „Judentum im katholischen Religionsunterricht“ 1977-1982 (Vgl. bes. H. Riedlinger, Theologischer Kommentar zu den „Freiburger Leitlinien“, in: G.Biemer, Hrsg., Freiburger Leitlinien zum Lernprozeß Christen Juden, Düsseldorf 1981, 184-191).

[2] Vgl. Peter Fiedler, Die Spur der Makkabäer in der Geschichte, in: G.Biemer - A.Biesinger, Hrsg., Christwerden braucht Vorbilder. Beiträge zur Neubegründung der Leitbildthematik in der religiösen Erziehung und Bildung, Mainz 1983, 81 -99; 88f