Wie geht Rechtfertigung: Rechtfertigt Gott mein Leben?

Zur Ökumenischen Bibelwoche, 2003

Günter Biemer: 

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Einleitende Bemerkungen:

 

Wer bin ich? Was ist ein Mensch? Was sind die Menschen? Was ist die Menschheit wert in diesem Universum? Was bedeutet ihr Heils- und Unheilsgeschichte?

Was macht meine Identität aus? Also: Wer bin ich?

Paulus antwortet auf diese Fragen im Brief an die Judenchristen und Heidenchristen in Rom. Mit meinen eigenen Worten übertrage ich die Antwort des Paulus sehr vereinfacht und vorläufig für den Anfang:

 

Ich bin als Christ trotz all meiner Fehler 1. schon jetzt ein von Gott selbst mit Gott versöhntes Lebewesen, und ich bin 2. berufen zu  einer unvorstellbar schönen Zukunft....

 

Gott, wie Paulus ihn beschreibt, wird uns Menschen dadurch gerecht, dass er unser vergammeltes oder verpfuschtes oder arrogantes oder sonstwie deformiertes Leben verwandelt. Er gibt uns an dem einzigartig gelungenen Leben seines Sohnes Jesus von Nazaret Anteil. Er gibt durch dessen Liebe bis in den Tod uns Menschen den Maßstab und die Orientierung für das Menschsein. Noch mehr: dessen Leben und Sterben zählt für uns und zahlt für uns.

 

Wir können sagen: Gott wird uns gerecht. Allerdings anders als wir uns das vielleicht vorstellen. Gottes Gerechtigkeit, mit der er uns Menschenwesen gerecht wird, ist asymmetrisch: D.h. ER übernimmt die ganze Last der Schuld unseres Lebens, die auf uns lastet. Aber er entmündigt uns nicht, sondern wartet auf unsere Beteiligung, unser Jawort. Paulus nennt es Glauben. Menschsein im christlich-paulinischen Sinne ist also eine grandiose, frei geschenkte Lebensermöglichung und eine Lebensaufgabe. Denn Christsein beinhaltet, sich nicht den herrschenden Trends „dieser Welt gleichförmig zu machen“, nicht unbesehen die Lebensgewohnheiten übernehmen, die gerade global in Mode sind (Rö 12, 2f). Vielmehr sollen wir als Gottes Töchter und Söhne die Praxis des Himmels walten lassen, als Mensch unter Menschen die asymmetrische Gerechtigkeit Gottes nachahmen. Dann merkt man uns an:  

Ich bin als Christ ein von Gott selbst mit Gott versöhntes Lebewesen, berufen zu  einer unvorstellbar schönen Zukunft.

 

Zum inhaltlichen Anliegen des Römerbriefs:

 

Paulus schreibt der jungen Christengemeinde in der Hauptstadt des Römischen Reiches etwa 25 Jahre nach der Hinrichtung und Auferstehung Jesu, was die Hauptsache an der Botschaft Jesu, am Evangelium, ist. Dazu bedient er sich in den zwei Eingangskapiteln einer Y-Gestalt der Darstellung.  Ein Schrägbalken = die Geschichte Gottes mit den Juden, die zwar die große Weisung der Thora zur Lebensorientierung hatten, sich aber nicht daran hielten – und so die Antwort auf Gottes Wort schuldig blieben. Der andere Schrägbalken = die Heiden, die von Gott die individuelle Weisungsinstanz des Gewissens hatten, sich aber nicht daran hielten – und so ebenfalls die Antwort auf Gottes Stimme schuldig blieben. D.h.von sich aus schaffen es die Menschen nicht, Gott als Sinn ihres Lebens zu entdecken und nach seiner Schöpfungsabsicht zu leben: nämlich in Dankbarkeit zu Gott und in gegenseitiger Achtung und Liebe zu ihren Mitmenschen. Kein Mensch ist seinem Erschaffensein gerecht geworden, alle sind der Macht des Bösen, der Sünde verfallen. Ihre Situation ist aussichtslos.! –

 

Beide Schrägbalken münden in den Senkrechtbalken des Y: Paulus spricht das gerade mal zwanzig Jahre alte Christusereignis an, wenn er in Rö 3,21 jetzt sagt. „Jetzt aber ist Gottes Gerechtigkeit (= seine rettende Treue) unabhängig vom Gesetz offenbart worden ... – Der neue Weg führt über den Glauben an Jesus Christus und steht für alle offen, wenn sie nur glauben. Da gibt es keinerlei Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden ... Den gewaltsamen Tod Jesu hat Gott als Anlass genommen, um Jesus Christus für alle und öffentlich zum Ort de Vergebung zu machen ... Gott hat jetzt gezeigt, dass er selber gerecht ist, d.h. dass er aus reiner Barmherzigkeit Gemeinschaft mit Menschen will und er nimmt den Menschen, der an Jesus glaubt, als gerecht an. Der Glaube macht den Menschen für Gott als gerecht annehmbar.“(Übers.: Klaus Berger).

 

Gerecht aus Glauben besagt: der Mensch wird seinem Leben und seinen Aufgaben gerecht, wenn er sich dabei Jesus Christus anvertraut.

 

In der „Gemeinsamen Erklärung über die Rechtfertigung“, die Vertreter des Lutherischen Weltbundes und der Katholischen Kirche am 31. Okt. 1999 in Augsburg unterzeichnet habe, heißt es:

Rechtfertigung bedeutet, „dass (Jesus) Christus selbst unsere Gerechtigkeit ist, der wir nach dem Willen des Vaters durch den Heiligen Geist teilhaftig werden. Gemeinsam bekennen wir:

Allein aus Gnade im Glauben an die Heilstat (Jesu) Christi, nicht aufgrund unserer Verdienste, werden wir von Gott angenommen und empfangen den Heiligen Geist, der unsere Herzen erneuert und uns befähigt und aufruft zu guten Werken“ (GER Nr. 15).

 

Das Wortfeld „Rechtfertigung“:

 

Ich werde von Gott selbst mit Gott versöhnt, so haben wir eingangs Rechtfertigung vorläufig beschrieben, weil uns der Begriff Rechtfertigung fremd erschien. Aber ist er nicht sehr geläufig, wenn wir ihn reflexiv gebrauchen?

Sich rechtfertigen

ist eine unverzichtbare Tätigkeit im Leben jedes Menschen. Eigene Handlungen rechtfertigen, selbst Fehler zu rechtfertigen, ist das nicht allgemeine Praxis? Sie hat offenkundig mit dem unaustilgbaren Bedürfnis zu tun, auf der Seite der Wahrheit, der Gerechtigkeit, des Guten usw. zu stehen. Nicht nur Recht haben zu wollen, sondern durch das Recht selbst bestätigt zu werden, ist ein Lebensbedürfnis des Menschen. Das hat wohl mit der Struktur unseres Geistes zu tun, der uns bei allen Auseinandersetzungen das gemeinsame Maß in der Wahrheit und in der Gerechtigkeit suchen heißt. - (Selbst verbrecherische Diktatoren wie Hitler, Stalin, Milosevitsch u.a.  bezeugen in ihrem Verhalten, dass man dem Drang, sich rechtfertigen zu wollen, nicht ausweichen kann).

 

Wer eine Verteidigung seines Lebens unternimmt und dabei an die Wahrheit und Wahrhaftigkeit appelliert, sucht er / sie nicht einfachhin Rechtfertigung vor der höchsten, dem menschlichen Geist erreichbaren Instanz? –– Aber wir wissen selbst aus der Erfahrung mit unserem Gewissen, dass sich viele unserer Gedanken, Reden und Taten nicht rechtfertigen lassen. Wir sind also in einem Zwiespalt. Wir wissen uns schuldig und können uns gerade dort, wo wir unsere Schuld erkannt haben, nicht selbst rechtfertigen.

 

Was wir hier ausdenken, sind nur unzureichende Vorübungen, die uns gleichwohl an den paulinischen Begriff von der Rechtfertigung des Menschen durch Gott heranführen und uns mit ihm ein wenig vertraut machen können. Der Unterschied zur Rede des Paulus im Rö und Gal besteht darin, dass bei ihm das Subjekt der Aussagen, der Protagonist der Handlungen der lebendige Gott ist, der Dreieine Gott: der Vater Jesu Christi, der Heilige Geist, durch den Gott am Menschen handelt, und der Gottessohn und Davidssohn, der freiwillig und gehorsam zum Ort der Vergebung wurde.

 

Bevor wir nun auf den Text hören, zitiere ich einen der größten Paulus-Fans des Altertums, den Erzbischof von Konstantinopel Johannes Chrysostomus (+ 407):

(Aus seinem Kommentar zum Römerbrief über Paulus vor der Gemeinde von Antiochien): „Immer wenn ich eine Lesung aus den Briefen des hl. Paulus höre – wöchentlich zwei-, drei-, ja viermal, wenn wir nämlich das Gedächtnis der Märtyrer feiern -, freue ich mich an dem Klang dieser geistlichen Posaune. Ich gerate in Begeisterung und empfinde ein heißes Verlangen. – Wenn ich die liebe Stimme vernehme, meine ich fast ihn vor mir zu sehen und seine Erklärungen zu hören. ... Ich liebe diesen Mann und beschäftige mich dauernd mit seinen Schriften. Wer jemand liebt, weiß mehr über ihn als alle andern, eben weil er ihm wichtig ist“ (PG 60, 391).

 

Rö 5, 1 –11 ...: Das Leben als Geschenk erfahren und als unvergleichliche Verheißung

 

Lektüre von Rö 5, 1 – 11 ...

 

Was wir lernen:

 

-  „durch J.Chr. haben wir (im Glauben) Zugang zu der Gnade und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes

           

-         „Mehr noch: wir rühmen uns sogar der Leiden; denn ...

wir lernen durch Leiden Geduld;

 Geduld bringt Bewährung,

Bewährung Hoffnung. ...

-         Die Hoffnung wird uns nicht enttäuschen; denn die Liebe Gottes ist (schon) ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, den er uns geschenkt hat.“.

 

-  (8f) „Wie sehr Gott uns liebt, beweist er damit, dass Chr für uns Sünder sein Leben gab; ... um so leichter werden wir durch das Leben des Auferstandenen das endgültige Heil erlangen. Wir rühmen uns (also) Gottes durch unseren Herrn J.Chr.“

 

=: Gott, der uns erschaffen hat, der um unsere Unzulänglichkeiten weiß, der unsere Sünden kennt, hat „sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen im Hause seines Knechtes David“ : wir sind durch Gott selbst mit Gott versöhnt. Wir haben eine große Verheißung künftiger Herrlichkeit. Wir haben allen Grund, unser Leben aus völliger Gelassenheit zu gestalten:              (Tischvorlage S. 13)?

 

Rechtfertigung bedeutet, „dass (Jesus) Christus selbst unsere Gerechtigkeit ist, der wir nach dem Willen des Vaters durch den Heiligen Geist teilhaftig werden. Gemeinsam bekennen wir:

Allein aus Gnade im Glauben an die Heilstat (Jesu) Christi, nicht aufgrund unserer Verdienste, werden wir von Gott angenommen und empfangen den Heiligen Geist, der unsere Herzen erneuert und uns befähigt und aufruft zu guten Werken“ (GER Nr. 15).

 

Zum Wirken des Heiligen Geistes beim Vorgang der Rechtfertigung:

H. Küng, Rechtfertigung. Die Lehre Karl Barths und eine katholische Besinnung, Einsiedeln 1957: nennt die „Vorlesungen über die Rechtfertigung“ von JHN von 1838 „eines der besten Werke über die katholische Rechtfertigungslehre“, JHN

beschreibt den rechtfertigenden Glauben als Frucht der rechtfertigenden Gnade und letztere als Wirken des Heiligen Geistes, der im Menschen durch die Taufe Wohnung nimmt.

 

„Solcher Art rechtfertigender Glaube“, sagt er zusammenfassend am Ende der vorletzten Vorlesung: „...ist nicht ein bloßer Eindruck oder der Schein der Seele oder Wissen oder Gefühl oder Überzeugung, die in sich selbst endet, sondern der Anfang dessen, was ewig ist. Er ist die Wirkung der Einwohnenden Kraft, die von innen, außen und um uns herum wirkt, die sich in uns machtvoll auswirkt, so innig mit unserem Willen verbunden, als wäre sie in einem wahren Sinne eins mit ihm. Er gießt sich in unseren ganzen Geist aus, läuft über in unsere Gedanken, Wünsche, Gefühle, Absichten, Versuche und Werke und verbindet sie alle zusammen in eins. Er macht den ganzen Menschen zu seinem einen Werkzeug und rechtfertigt ihn zu einem heiligen und gnadenvollen Dienst, einem lebenslang verkörperten Akt des Glaubens, einem ‘Opfer, heilig, für Gott annehmbar, welches ein angemessener Gottesdienst ist’.

 

Solcher Art ist Glaube, der aus dem unsterblichen Samen der Liebe aufgeht, neue Blüten hervorbringt und neue Frucht reifen lässt; er ist tatsächlich in den Gefühlen vorhanden, aber geht in Handlungen über, in Siege verschiedener Art über das Selbst und ist die Macht des Willens über die ganze Seele um Christi willen. Er veranlasst den Verstand, Geheimnisse zu akzeptieren, das Herz, im Leiden ruhig zu bleiben, die Hand, zu arbeiten, die Füße, zu laufen, die Stimme, Zeugnis zu geben, je nachdem es sein mag. Diese Handlungen nennen wir mitunter Mühen, mitunter Ausdauer, mitunter Bekenntnisse, mitunter Hingabe, mitunter Dienste. Alle aber sind sie Beispiele der Selbstbeherrschung, die aus dem Glauben kommt, der die unsichtbare Welt sieht, und aus der Liebe, die sie wählt. -

 

So scheint es also, wie der Glaube von uns her die gemäße Antwort ...zur Gnade von Gott her ist, so sind die Sakramente Wirkung der Gnade und gute Werke Auswirkung des Glaubens. Folglich, ob wir sagen, dass wir gerechtfertigt sind durch Glaube oder Werke oder Sakramente, meint dies alles die eine Lehre, dass wir durch Gnade gerechtfertigt sind, die durch Sakramente gegeben wird, vollzogen im Glauben, bekundet in Werken.“[1]

 

 

[In dem Film „Das Leben ist schön“ gelingt es dem mit höchster Phantasie begabten Vater, seinem etwa 7jährigen Sohn die tödlichen Realitäten des KZ als eine unwirkliche Spielszenerie umzudeuten, bei der sie durch entsprechendes Verhalten am Ende einen echten Panzer gewinnen können. Dem Vater gelingt es, sein Kind zu retten, während er selbst in letzter Minute dabei sein Leben verliert. In den Armen seiner Mutter erlebt der Junge das himmlische Gefühl der Freiheit. Erst später wird ihm aufgehen, dass sein Vater dafür mit dem Leben bezahlt hat.] 

 

„Von guten Mächten wunderbar umgeben

behütet und getröstet wunderbar,

so will ich diese Tage mit euch leben

und mit euch gehen in ein neues Jahr

Von guten Mächten wunderbar umgeben

Erwarten wir getrost, was kommen mag

Gott ist mit uns am Abend und am Morgen

Und ganz gewiss an jedem neuen Tag“

(D. Bonhoeffer, +1945 in Flossenbürg)

 

 

Rö 6, 1 – 11 :

Die Zuneigung Gottes wird individuell erfahrbar und sinnenhaft spürbar im Sakrament der Taufe

 

Sakramente sind die Fortsetzung der Menschwerdung Gottes. So wie im Menschen Jesus von Nazaret Gottes Sohn gegenwärtig ist, so wirkt beim Sakrament der Taufe im Zeichen des fließenden Wassers und im Wort Jesu sein Geist jetzt an diesem Täufling. Jesu Sendung zu Verkündigung und Taufe steht untrennbar im Zusammenhang mit der Verheißung des Auferstandenen „Seht, Ich bin bei auch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28, 18).  

 

Dabei gibt die doppelte Symbolhaltigkeit des Wassers der Bedeutung der Taufe wunderbaren Ausdruck. Seine Kraft ist ambivalent, d.h. positiv und negativ. Negativ, wenn wir an Überschwemmungen oder an die Sintflut denken, auch daran, dass der Mensch darin untergehen und den Tod finden kann. Positiv, wenn wir daran denken, dass alles Leben aus dem Wasser kommt und es ohne Wasser kein Überleben gibt, auch daran dass Wasser reinigende Kraft besitzt. Von dieser doppelten Symbolhaltigkeit des Elements Wasser macht Paulus bei der ersten Taufkatechese der Kirche Gebrauch, wenn er Untertauchen als Sterben mit Jesus am Kreuz und Auftauchen als Überleben über unser Leben hinaus in der Neuen Schöpfung bezeichnet.

 

Lesung: 6, 3 – 14 ...

 

Christ bin ich, weil ich an Jesus Christus glaube und auf ihn getauft bin.

Christwerden geschieht im Ritus der Taufe und im damit verbundenen Lernprozess des Glaubens, des Glaubenlernens , des Glaubensbekenntnisses. Wenn wir dem Sendungsauftrag Jesu entsprechend, jemand „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ in Wasser eintauchen / untertauchen, wird er/sie/es ein Neues Geschöpf mit Anrecht auf Leben im Reich des Auferstandenen. Die Taufe symbolisiert und realisiert zwei Welten: die irdisch-vergängliche durch die Herrschaft des Bösen also der Sünde gezeichnete Welt und die Neue Schöpfung, die Jesus Christus als Erstgeborener von den Toten für alle Menschen erschaffen hat, „die den Willen seines Vaters tun“ (Mt 7, 21):   

 

  1. Hinabsteigen ins Wasser, Untergetauchtwerden oder zumindest Übergossenwerden bezeichnet die Teilnahme am Tod Jesu, der „hinabgestiegen ist in das Reich des Todes“. Der Mensch der Gottesferne, der Weltverhaftetheit, des Egoismus, der Gewalt, kurzum der Sünde geht unter, die Sündenverhaftetheit wird zeichenhaft weggespült, abgewaschen. Vom Anspruch des Menschseins, das nur an die vergängliche Welt denkt und sich nur in ihr einrichten will, sind wir durch das Wirken des Heiligen Geistes grundsätzlich befreit. Und daraus sollen wir Konsequenzen ziehen mit einem neuen Lebensstil in der Nachfolge Jesu.

 

  1. Hinaufsteigen, Auftauchen, Gewaschensein mit dem Element des Wassers, in dem der Geist Jesu Christi, der Jesus Christus von den Toten erweckt hat, seine Gegenwart einem Menschen schenkt, im Getauften wohnt. (Nur wer den Geist empfangen hat, kann Jesus lieben im Sinne von Joh 14, 23: „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten, mein Vater wird ihn lieben und wir werden kommen und bei ihm wohnen“).  

 

  1. Taufe ist ein Herrschaftswechsel aus der Welt des Eigensinns unter den Horizont der Liebe, unter den Sinnhorizont Gottes, der dem Menschen die von Jesus Christus wirklich geleistete Versöhnung anbietet, ihn in die Geschichte seines Sohne einbezieht und folgerichtig von den Getauften Versöhnungsbereitschaft fordert.-  

 

  1. Der Herrschaftswechsel im Taufritus geschieht in Bezug auf das Sterben rein rituell. Das Untertauchen bedeutet: „durch die Taufe auf den Tod mit Jesus begraben werden“, „unser alter Mensch wurde  mitgekreuzigt“, wir sind mit Christus gestorben“.  Was hier mit dem Wasser symbolisch aber wirklich vollzogen wurde, harrt der Einlösung durch den Lebensstil des Getauften, der die Praxis des Neuen Menschen entwickeln soll: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden“. Die asymmetrische Praxis Gottes, seine zuvorkommende Liebe, die gegen die Ablehnung der Menschen angeht, soll durch Christen Realität werden und Verbreitung finden „wie im Himmel so auf Erden“.

 

In 2 Kor 5, 17 beschreibt Paulus den Herrschaftswechsel von der alten Welt, in der sich das Böse mit eingefädelt hat, zur Neuen Schöpfung so:

„Wenn also jemand in Christus ist,

dann ist er eine Neue Schöpfung.

Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.“

 

Die Taufe ist also die im Prinzip geschehene Auswurzelung aus dem Zusammenhang mit der bösartigen weil egoistischen, gewalttätigen Welt, die zugrunde gehen wird [– selbst wenn es erst in fünf Millionen Jahren durch einen Supernova-Ausbruch unserer Sonne sein wird -,]

und die faktisch geschehende Neueinwurzelung in den Acker, der der auferstandene Jesus Christus ist, der Erstling der Neuen Schöpfung.

 

In Joh 14, 2 spricht Jesus von den vielen Wohnungen im Hause seines Vaters und sagt: Wenn ich hingegangen bin und euch eine Wohnstätte bereitet habe, werde ich wiederkommen und euch zu mir holen, damit auch ihr seid, wo ich bin“. Die Taufe ist das unzerstörbare Siegel auf unserer unsterblichen Seele, an dem der wiederkommende Messias unser Wohnrecht erkennt, das er uns durch den Heiligen Geist für Zeit und Ewigkeit verliehen und geschenkt hat.

 

 

Zu den Gerechten zu gehören, „when the Saints go marching in“, wer von uns würde sich das nicht von Herzen wünschen? In Yad waSchem gibt es bekanntlich eine Baumallee der Gerechten, einen Baum von jedem Menschen, der in der Zeit der Schoah, als bei uns das Böse systemisch triumphierte, Juden das Leben gerettet hat. Die im Caritasverband tätige Frau Dr.Gertrud Luckner hat mit List und todesmutig jüdischen Mitbürgern zum Überleben verholfen bis sie selbst ins KZ Ravensbrück eingeliefert wurde. Mit der Gründung des Freiburger Rundbriefes hat sie nach dem Krieg über ein halbes Jahrhundert zur christlich-jüdischen Verständigung beigetragen. Sie ist für mich ein Beispiel für jene Menschen, die zur Rechten des Weltenrichters stehen werden und die Einladung hören: „Kommt ihr Gesegneten meines Vaters und nehmt das Reich in Besitz, das euch von Anbeginn der Welt(geschichte) bereitet war. Denn ich war hungrig, durstig, verfolgt, gefoltert ... und ihr habt mir Kraft und Beistand im Geiste meines Vaters zuteil werden lassen... –

Wichtig und phantastisch und unerlässlich ist eine solche Praxis des Himmels unter Menschen besonders, wenn da die Hölle los ist. Denn diese Praxis ist gewissermaßen ein Beweis dafür, dass Gott uns Menschen gratis mit sich versöhnt hat, uns in seinem Sohn als Töchter und Söhne adoptiert und uns somit eine neue Identität verliehen hat; der ganze Vorgang der Heilgeschichte, den Paulus Rechtfertigung des Menschen durch Gott nennt.   

 


Fragen zum „Brief an die Gemeinde in Rom“:                  Kap. 5 u. 6

 

1.Leben ist früher oder später mit Leiden verbunden. Buddhisten meinen sogar Leben sei Leiden. Paulus ist der Ansicht: Christen rühmen sich des Leidens. Stimmen Sie zu oder halten Sie das für problematisch? Welchen Wert hat das Leid für uns Menschen?

 

2. Gott selbst, genauer: Gottes Mensch-gewordener Sohn, stirbt an der Gewalttätigkeit der Menschen. Er ist der Einzige, der Gottes Schöpfungsabsicht und –willen gerecht wurde, das Vertrauen zu Gott über die Angst vor „Tod und Teufel“ zu stellen. Paulus sieht das so: Wie groß auch die Sünde(n) der Menschheit, die Gnade Gottes ist immer größer (Rö 5, 17). „Wie unergründlich sind seiner Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege“ (Rö 11, 33). Ist Ihnen dieser Heilsplan Gottes bewusst, spielt er in Ihrem Leben eine Rolle?

 

3. „Ich bin überzeugt“, schreibt Paulus, „dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Verhältnis zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll“ (Rö 8, 18). Lässt sich dieser Vergleich aufrecht erhalten angesichts des unbeschreibbaren Elends in Konzentrationslagern, Bürgerkriegen, Armutsvierteln, Naturkatastrophen u. a. m?  Heilige Menschen wie z.B. die vier Teresas (Teresa von Avila, Therese v. Lisieux, Sr. Teresa Benedicta = Edith Stein, Mutter Teresa v. Kalkutta) hatten keinen Zweifel an der Aussage des Paulus. Wir?

 

4. In dem Film „Das Leben ist schön“ verwandelt sich der KZ-Aufenthalt eines Kindes in ein spannendes Spiel mit Punktgewinnen und einem echten Panzer als „Hauptgewinn“, weil der Vater bereit ist aus Liebe zu seinem Kind, einen anderen Maßstab zur Erklärung der Vorgänge anzulegen. Es kostet dem Vater am Ende das Leben; aber Mutter und Kind sind gerettet. Können wir unser Leben nur als „schön“ bezeichnen, wenn wir den schmerzlichen Hintergrund mit bedenken, der Jesus das Leben gekostet hat? 

 

5. Beim größten Jubellied des Kirchenjahres in der Osternacht (Exsultet) heißt es: „O wahrhaft selige Schuld, die einen solch großen Erlöser finden durfte“. Ist es uns bewusst, dass die Schuld an Gottes Tod zu unserem Leben gehört? Allerdings verwandelt Gott unsere Un-Gerechtigkeit durch seine „Gerechtigkeit“, genauer Barmherzigkeit.

 

6. Welche Bedeutung hat die Taufe? Damals - 20 Jahre nach dem Tod Jesu - waren fast alle Christen als Erwachsene getauft. Paulus fragt nach ihrer Erfahrung und Kenntnis: „Wisst ihr denn nicht ...?“ Würden wir das auch sagen: Getauftsein heißt aus Gottes Gnade leben als die Menschen der Neuen Schöpfung; der Sünde gegenüber tot sein, den Ansprüchen der Bosheit, Eitelkeit, Gewalt usw. dieser Welt gegenüber taub sein?

 

7. Allein die Gnade Gottes und allein der Glaube machen uns zu Kindern Gottes = bewirken unsere Rechtfertigung. Aber es wäre kein Schaden, wenn man auch an unserem Verhalten merken würde, dass wir zu einer Kontrastgesellschaft gehören. Paulus fordert sogar: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch durch ein neues Denken“ (Rö 12, 2) und bringt die Früchte des Geistes: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Güte, Sanftmut und Selbstbeherrschung“ (Gal 5, 22)!

   

8. Da es in Rom Juden und Christen (aus bekehrten Juden und Heiden) gibt, nimmt Paulus ausführlich zur Situation der Juden Stellung: Er versichert ihnen, dass sie die Heilsgaben Gottes nicht verloren haben: Gottes Söhne, Gottesdienst, Gottes Verheißungen, Stammvolk des Messias. Vielmehr nützt Gott ihren Ungehorsam, um den Heidenvölkern den Zugang zum Heil zu schaffen. Am Ende „wird dann ganz Israel gerettet werden“ (Rö 11, 26).

 

 

Ich bin als Christ trotz all meiner Fehler

1.     schon jetzt ein von Gott selbst mit Gott versöhntes Lebewesen,

 und ich bin 2. berufen zu  einer unvorstellbar schönen Zukunft ...


 Tischvorlage zum Gespräch:

 

1. Paulus: „Wir rühmen uns sogar des Leidens“ (5, 3). - 

Welchen Wert hat das Leid für uns Menschen?

 

2. Paulus: „Wo die Sünde mächtig wurde, ist die Gnade übermächtig geworden“ (5, 20). –

 Ist Ihnen dieser Heilsplan Gottes bewusst? Spielt er in Ihrem Leben eine Rolle?

 

3. Paulus: Ich bin überzeugt, dass die Leiden dieser Zeit nichts bedeuten im Verhältnis zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll“ (8, 18).

Lässt sich dieser Vergleich aufrecht erhalten angesichts des Elends in der Welt?

 

4. Ist Ihnen bewusst, dass die Schuld am Tod Gottes zu unserem Leben gehört?

 

5. Paulus: „Wisst ihr denn nicht, dass  wir alle ... auf seinen Tod getauft worden sind?“ (6, 3)

Welche Bedeutung hat die Taufe für Sie in Ihrem Leben?

 

6. Paulus: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch durch ein neues Denken!“ (12, 2).

Welche Konsequenz hat das für meinen Lebensstil?

 

(7. Paulus: Wenn „die Heiden ... das Heil erlangt haben, dann wird ganz Israel gerettet werden.“ (11, 26).

Ist uns als Christen bewusst, dass Gott seine Geschichte mit den Juden zu einem glücklichen Ende führt?)

 

Lektüre von Rö 5, 1 – 11 ...

 

Was wir lernen:

 

-  „durch Jesus Christus haben wir (im Glauben) Zugang zu der Gnade und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes

        

-         „Mehr noch: wir rühmen uns sogar der Leiden; denn ...

wir lernen durch Leiden Geduld;

 Geduld bringt Bewährung,

Bewährung Hoffnung. ...

 

-         Die Hoffnung wird uns nicht enttäuschen; denn die Liebe Gottes ist (schon) ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, den er uns geschenkt hat.“.

 

-  (8f) „Wie sehr Gott uns liebt, beweist er damit, dass Christus für uns Sünder sein Leben gab; ... um so leichter werden wir durch das Leben des Auferstandenen das endgültige Heil erlangen. Wir rühmen uns (also) Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus.“

 


 TAUFE

 

 

A. Hinabsteigen ins Wasser, Untergetauchtwerden oder zumindest Übergossenwerden bezeichnet die Teilnahme am Tod Jesu, der „hinabgestiegen ist in das Reich des Todes“. Der Mensch der Gottesferne, der Weltverhaftetheit, der Sünde geht unter, die Sündenverhaftetheit wird zeichenhaft weggespült, abgewaschen.

 

B. Hinaufsteigen, Auftauchen, Gewaschensein mit dem Element des Wassers, in dem der Geist Jesu Christi, der Jesus Christus von den Toten erweckt hat, seine Gegenwart einem Menschen schenkt, im Getauften wohnt.

 

C. Taufe ist ein Herrschaftswechsel aus der Welt des Eigensinns und der Sinnlosigkeit unter den Horizont der Liebe, unter den Sinnhorizont Gottes, der dem Menschen die von Jesus Christus wirklich erlittene Versöhnung anbietet, ja ihn in die Neue Schöpfung seines Sohne einbezieht. Folgerichtig wird vom Getauften ein versöhntes Leben gefordert.-

 

 

SAKRAMENTE

 

Das Wirken Gottes (des Gottes Sohnes) zu unserer Erlösung

 

im Heiligen Geist: durch die Kirche

 

in das Leben des einzelnen Menschen

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[1] Just. 302f.